PODCASTING WITH WELZER

Unter dem Titel „Denken mit Kinnert und Welzer“ diskutiere ich jeden Donnerstag mit dem Soziologen und Sozialpsychologen Harald Welzer zu einem Stichwort aus der aktuellen politischen Debatte. Der Podcast, den der Fernsehsender phoenix produziert, erscheint kostenfrei auf Spotify und allen anderen Streaming-Plattformen. Wir diskutieren gesellschaftlichen Wandel, die Mühen der Transformation und alte und neue Architekturen und Spiele der Macht. Dabei geraten auch eigene Vorurteile und Gewissheiten ins Wanken. Der Fernsehsender phoenix schreibt: „Utopist trifft auf Realistin. Sie jung, weiblich mit Migrationshintergrund, deutsch und netzaffin. Er: älter, männlich, autochthon deutsch und klassisch-linear wollen streiten – mündlich, angelehnt an den klassischen Disput.“ – Alle Episoden hier anhören.

Episode 61, September 2022: Anthropozän – Das Zeitalter der Dummheit – Wissenschaft bringt der Menschheit Erkenntnis und liefert Denkanstöße – soweit das Ideal. Kinnert und Welzer nehmen einen solchen Denkanstoß auf und denken ihrerseits über den Wissenschaftsbetrieb nach. Genauer gesagt über die junge Disziplin der Geo-Anthropologie. Sie fragen nach 50 Jahren Öko- und Umweltbewegung nach dem Einfluß des Wissens auf das Handeln und ziehen eine ernüchternde Bilanz. Nie in der Menschheitsgeschichte gab es derart viel Wissen, das aber gesellschaftlich und praktisch ungenutzt und unbeachtet blieb, während sich gleichzeitig ein Wissenschaftsbetrieb in Hybris und Nabelschau verlor.

Episode 60, September 2022: Royaler Glanz – Die Sehnsucht nach Verlässlichkeit – Zum Tode der Queen machen sich auch Kinnert und Welzer ihre Gedanken. Was macht den Reiz einer Monarchie im 21. Jahrhundert aus? Oder besser noch: Welchen Mehrwert könnte sie für eine moderne, liberale Gesellschaft haben? Im Gedankenexperiment spielen Kinnert und Welzer royale Macht als Metainstanz in einer individualisierten Gesellschaft durch, die als Bindeglied zwischen Generationen und Milieus fungiert.

Episode 59, September 2022: Fluchtpunkt Vergangenheit – Seit Anbeginn der Geschichte streben die Menschen nach Glück. Naturbedingt ist dieses Streben auf die Zukunft gerichtet, dort liegt der Fluchtpunkt aus der Gegenwart – dort liegt der „Fluchtpunkt Zukunft“ Kinnert und Welzer denken in ihrem ersten Podcast nach einem langen, heißen Sommer über den Lauf der Zeit nach. Was bewirkt ein gesamtgesellschaftlicher Dauerkrisenmodus, genährt aus Virus, Krieg und Klimawandel, im Lebensgefühl einer Generation, die diese Erfahrung in ihrer individuellen, wie kollektiven Prägezeit erlebt und erleidet? Was wenn der Ort der Zukunftsverheißung nicht mehr in Utopia sondern Dystopia liegt? Was wenn aus der Zukunftsverheißung eine Vergangenheitssehnsucht wird?

Episode 58, Juli 2022: Dominante Minderheit – Neue Dogmen in der Geschlechter-Debatte? – Wenig gesellschaftliche Räume sind so klar als Diskursraum definiert wie der der Universität. Hier sollen durch freies Denken, garantiert durch die Wissenschaftsfreiheit, intellektuelle Impulse entstehen. Sprech- und Denkverbote, gerade an diesem Ort unterminieren die freie Gesellschaft. Geschieht dies dann doch, stellt sich die Frage: Wie konnte das geschehen? Kinnert und Welzer fragen in ihrer letzten Podcast-Folge vor der Sommerpause danach und wollen herausfinden wie es zum diagnostizierten Meinungsdogmatismus einer Minderheit kommen konnte.

Episode 57, Juli 2022: Gipfeldiplomatie – Nur ein archaisches Relikt? – In Zeiten multipler internationaler Krisen ist eine koordinierte Politik verbündeter Staaten und Gesellschaften unerlässlich. Krieg und Klimawandel verlangen nach abgestimmtem Handeln. Aber braucht es dazu inszenierte Treffen, die in Pomp und Gloria abgehalten werden – koste es was es wolle? ​

Episode 56, Juni 2022: Das Documenta-Drama – Nur ein Beispiel organisierter Verantwortungslosigkeit – Kunst soll unabhängig sein, Kunst soll rebellisch sein, Kunst soll Motor gesellschaftlichen Fortschritts sein. Aber auch die Freiheit der Kunst hat Grenzen. Eine davon ist ganz sicher hierzulande die Grenze zum Antisemitismus, der zwar beklagenswerter Weise wohl zu unserer gesellschaftlichen Realität gehört, zu unserer Kultur aber gehört er sicher nicht mehr. Zurecht ist er gebannt. Das müssen Kulturschaffende wie Kulturmanager wissen und sich danach verhalten, also künstlerische Positionen auswählen, die sich der Ambivalenz eines westlichen Kulturmodells in globalisierten Zeiten stellen. Wenn man es sich aber einfach macht und die Aufgabe umgeht, indem man einfach jemand aus dem „globalen Süden“ engagiert, kriegt man genau die Probleme, die jetzt die Documenta scheitern lassen. Man sieht, meinen Kinnert und Welzer, dass man Verantwortung nicht „outsourcen“ kann.

Episode 55, Juni 2022: Das umgekehrte Verursacherprinzip – Dienstpflichten nur für junge Bürger? – Der Bundespräsident hat einen Denkanstoß gegeben. Junge Bürger sollen in eine Dienstpflicht genommen werden und so Verantwortung für die Gesellschaft übernehmen. Ein Ansatz den Kinnert und Welzer zumindest in einem Punkt kritisch sehen: Warum nur die Jungen? Ist im 21. Jh,. dem Zeitalter des lebenslangen Lernens nicht auch lebenslange Verantwortung und Beteiligung „lebensalterlos“ denkbar? Müsste nicht gerade eine Dienstpflicht mindestens so gedacht werden, Abschottungen zwischen den Generationen aufzulösen statt sie zu vertiefen?

Episode 54, Juni 2022: Diskursmächte – Opfer- und Täterperspektiven im Emanzipationskampf – Jahrzehnte war der Emanzipationskampf um Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau ein Kampf in einem binären Geschlechter-System. Rollen und Muster waren klar verteilt. Heute nun ist dieser Kampf komplizierter und für große Teile der Gesellschaft verwirrender geworden. Denn es gibt das biologistische System der zwei Geschlechter nicht mehr. Wie also führt man den Emanzipationskampf der Geschlechter weiter, wenn es Streit um den Begriff des Geschlechts an sich gibt?

Episode 53, Juni 2022: Das grüne Kreuz – Verliert die CDU/CSU den Glauben? – Es gab Zeiten in der bundesrepublikanischen Geschichte, da ähnelte die Besucherschaft eines Katholikentages der eines Parteitages der CDU oder CSU. Diese Zeiten scheinen vorbei zu sein. Vielmehr zeigt sich eine große Nähe zwischen der Gefolgschaft der Grünen und den Gläubigen. Woran liegt das? Wie kam es zu der neuen Nähe zwischen grün-ökologischem Politikansatz und dem Glauben? Zeigt sich da nur die schon immer in einem Teil der grünen Klientel angelegte wertkonservative Ader, die die Bewahrung der Schöpfung zum Ziel hatte oder geht diese Allianz strukturell tiefer und wird sie breiter?

Episode 52, Mai 2022: Standpunkt versus Standpunkt – Das Schweigen der Bürger – Die liberale Demokratie in einer pluralistischen Gesellschaft lebt vom gesellschaftlichen Dialog, vom Austausch der Argumente. Ort dieses Austauschs ist der öffentliche Raum und Mittel sind die Medien in (auf) dieser modernen Agora. Doch mit zunehmender, medialer Ausweitung dieses öffentlichen Diskursraumes wird der Austausch nicht breiter. Die Gesetzmäßigkeiten der neuen Medien scheinen ihn eher zu verengen. Standpunkte werden eingenommen und verteidigt aber seltener diskutiert. Der gesellschaftliche Diskussionsprozess wird statisch und immer mehr Bürger ziehen sich zurück.

Episode 51, Mai 2022: Kollateralschäden? Was der Krieg vernichtet – Die schrecklichste Folge eines Krieges sind die menschlichen Opfer. Die angegriffene Ukraine trägt dieses Opfer und erleidet furchtbarsten Schaden der weit in die Zukunft der ukrainischen Gesellschaft wirken wird. Darüber hinaus aber gibt es auch Zerstörungen, die wir heute im Augenschein all des menschlichen Leids nur bedingt beachten – die Schäden an Kulturgütern und die Umweltschäden. Schnell spricht man hier von Kollateralschäden – ungewollten Schäden. Aber darf man diese Klassifizierung überhaupt vornehmen? Sind diese Schäden tatsächlich „ungewollt“?

Episode 50, Mai 2022: Geplatzter Überlebens-(T)raum Zwischenstaatlichkeit – Wie der Neo-Nationalismus die Weltordnung zerstört – Nationalismus und Imperialismus, die Geißeln des 19. und 20. Jahrhunderts feiern mit Putins Krieg unheilige Auferstehung und bringen das Bild- die Utopie – der „Einen-Welt“ zum Wanken. In der Retrospektive zeigt sich dabei das Versagen der Staaten darin, ein zwischenstaatliches Gewaltmonopol zu etablieren, das Kriege verhindert und in der Perspektive müssen wir erkennen, dass auch über Grenzen gehende Kommunikationstechniken, in die wir so große Hoffnungen projizieren oft nicht helfen, nationalen Chauvinismus einzudämmen – ja vielleicht sogar kontraproduktiv eingesetzt werden und wirken.

Episode 49, Mai 2022: Zögern als Ausdruck von Haltung – Ein neuer Blick auf ein verkanntes Phänomen – In der letzten Woche beschließt der Deutsche Bundestag mit großer Mehrheit, nun doch auch schwere Waffen in die Ukraine zu liefern. Der Druck vor allem auf den Bundeskanzler hatte sich in den vorangegangenen Tagen deutlich erhöht. Gleichzeitig wurde Olaf Scholz aus unterschiedlichen politischen und medialen Kreisen vor allem Unentschlossenheit, Zögern und Zaudern vorgeworfen. Dass aber gerade das Zögern als politische Haltung, auch in diesem konkreten Fall, nicht nur von Vorteil, sondern sogar von maßgeblicher Bedeutung sein könnte, darüber denken Kinnert und Welzer nach.

Episode 48, April 2022: Twitter-Gewitter – Schlechte Aussichten für die Meinungsfreiheit – Elon Musk, der reichste Mann der Welt will demnächst das Sagen haben und das im wahrsten Sinne des Wortes, denn er hat einer der einflussreichsten Meinungs- und Informationsplattformen ein – zumindest in finanzieller Hinsicht – höchst ansehnliches Übernahmeangebot gemacht. Dieser Vorstoß wirft allerdings grundsätzliche Fragen zum Thema Meinungsfreiheit und deren unterschiedliche Auslegung auf. Aber ganz alternativlos wären wir auch nicht, denken Kinnert und Welzer.

Episode 47, April 2022: Gute Geflüchtete/Schlechte Geflüchtete? – Neue politische Herausforderungen – Der Krieg in der Ukraine löst eine regelrechte Auswechslung politischer Prioritäten aus. Statt um nachhaltige Klimapolitik geht es nun vorrangig um Sicherheitspolitik; die Energiefrage wird neuerdings zur Versorgungs- bzw. Beschaffungsfrage. Was diese Entwicklung für gesamtgesellschaftliche Modernisierungsprozesse im Allgemeinen bedeutet, darüber diskutieren Kinnert und Welzer.

Episode 46, März 2022: Verlierer des Ukraine-Krieges – Gesellschaftliche Modernisierungsprozesse in Gefahr – Der Krieg in der Ukraine löst eine regelrechte Auswechslung politischer Prioritäten aus. Statt um nachhaltige Klimapolitik geht es nun vorrangig um Sicherheitspolitik; die Energiefrage wird neuerdings zur Versorgungs- bzw. Beschaffungsfrage. Was diese Entwicklung für gesamtgesellschaftliche Modernisierungsprozesse im Allgemeinen bedeutet, darüber diskutieren Kinnert und Welzer.

Episode 45, März 2022: Vorsicht vor zu großer Emotionalisierung – Welche Gefahren bergen Direktmedien im Politikkontext? – In der vergangenen Woche hält der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj eine Rede im Deutschen Bundestag. Er wird live per Videoschalte direkt in die Parlamentsdebatte hineingeschaltet. Eine derartige Direktheit stehe exemplarisch für einen geradezu paradigmatischen Kurswechsel innerhalb der politischen Kommunikation. Was diese Entwicklung für politische Entscheidungsprozesse bedeuten könnte, darüber denken Kinnert und Welzer nach.

Episode 44, März 2022: Europa auf dem Prüfstand. Wenn Zeit zum entscheidenden Faktor wird – Mit dem Ausbruch des Krieges in der Ukraine steht die Idee und die erlebbare Erfahrung eines großen zivilisatorischen Fortschritts auf dem Spiel: Das europäische Friedensprojekt. Der aktuelle Rückgriff auf eine heroische Kriegserzählung, die vor allem den Nationalismus in vielfältiger Weise in den Vordergrund rückt, steht in krassem Widerspruch. Doch warum wird nun mit Teilen unserer europäischen Werte gebrochen? Wo bleiben die kritischen Stimmen, die sich abseits des militaristisch-nationalistischen Narratives zu Wort melden? Und was sagt es über unsere Gegenwart aus, wenn Essentialisierungstendenzen zu absurden Ausgrenzungsprozessen gegenüber allem Russischen führen?, fragen sich Kinnert und Welzer und kommen zu dem Schluss, dass unter einem erhöhten politischen Handlungsdruck Zeit an sich – die Zeit zur Reflexion und zur kritischen Auseinandersetzung zum maßgeblichen Entscheidungskriterium politischer Handlungen werden sollte.

Episode 43, März 2022: Energieembargo gegen Russland. Frieren für den Frieden? – Der Westen hat sich in seltener Einigkeit auf Wirtschaftssanktionen gegen Russland geeinigt. Nur im Bereich der Energieimporte gehen die Meinungen auseinander, denn Europa hängt am Tropf russischen Gases und Öls. Gesucht wird ein Weg aus der Energieabhängigkeit. Ein Möglichkeit wird dabei gar nicht oder zu wenig diskutiert – der Weg des Energiesparens. Liegt es nicht nahe, einem Mangelzustand an Energie durch Energiesparen zu begegnen? Sind wir also nur nicht bereit aus unserer Komfortzone zu gehen? Oder ist das zu einfach gedacht? Kinnert und Welzer diskutieren über verkürzte Denk- und Handlungsprozesse in der Krise.

Episode 42, März 2022: Krieg in der Ukraine. Wenn alle dasselbe denken – Die politischen Reaktionen auf den Krieg in der Ukraine sind im Westen erstaunlich einheitlich und entschlossen. Auch wenn das vor dem Hintergrund der sonstigen Vielstimmigkeit und Langsamkeit ein starkes Zeichen ist und für die notwendige Solidarität mit den Menschen in der Ukraine steht, kann gerade darin auch ein Eskalationsfaktor liegen. Wenn alle dasselbe denken, wächst die Gefahr, die Absichten des Feindes falsch einzuschätzen und unbedacht zu reagieren. Dissens dagegen ist gerade dann hilfreich, wenn Fehlentscheidungen Folgen haben, die sich nicht mehr korrigieren lassen. Was die Sozialpsychologie als group think beschreibt, ist gerade in Gewaltkonflikten mit ihren ganz eigenen Dynamiken ein gefährliches Phänomen.

Episode 41, Februar 2022: Der Ukraine-Konflikt – Ausdruck verheerender Dynamiken? – Noch ist die Kriegsgefahr in Europa nicht gebannt und dennoch gilt bereits, was für die meisten kriegerischen Konflikte und gewaltsamen Auseinandersetzungen gilt: Zeiten des Krieges sind Zeiten der Lüge. Was hier sprachlich bereits nach historischer Verwandtschaft klingt, wird in der konkreten Analyse von Kinnert und Welzer immer deutlicher: Eine strukturelle, rhetorische und habituelle Nähe zum ersten Weltkrieg. Der Chor der Eskalation stimmt sich auf höchster politischer Ebene (wieder) ein, dem Publikum bleibt im Wechselspiel der politischen Kommunikation nur die Wahl zwischen Nicht-Wissen und wieder Nicht-Wissen. Ist der Ausgang der Konfliktdynamiken also programmiert? Vielleicht gibt es so etwas, wie einen kleinen Hoffnungsschimmer …

Episode 40, Februar 2022: Aussichtsloser Protest mit Eskalationsgefahr – An der Autobahnauffahrt klebt ein Mensch fest. So absurd dieses Bild erscheinen mag, stellt es doch den ernst gemeinten, wenngleich verzweifelten Versuch einer Gruppe von jungen Aktivist:innen da, ihren Unmut über die aktuelle Klimapolitik kundzutun. Sie argumentieren, sie seien die letzten Einsatzkräfte der Weltrettung, was logisch jede Form weiterer Eskalation rechtfertigt. In einer Flughöhe, in der hier auf die Welt und ihre vermeintliche Rettung geblickt wird, verschwinden die konkreten Handlungsmöglichkeiten aus dem Blick und dann geht es um Alles oder Nichts. Solcher Protest ist zum Scheitern verurteilt und führt gerade darum in weitere Radikalisierung. Kinnert und Welzer sehen Parallelen zu anderen Protestbewegungen, die sich weiter und weiter von der Vernunft entfernen.

Episode 39, Februar 2022: Olympia in Peking – wie weiterspielen? – Diese Woche starten die 24. Olympischen Winterspiele in Peking. In der chinesischen Hauptstadt fällt zwar kein Schnee, aber weder dieser Umstand noch die Tatsache, dass im autoritär geführten Staat die UN-Menschenrechte systematisch missachtet werden, spielten beim IOC-Entscheidungsprozess über den Austragungsort offenbar eine Rolle. Wie kann in dieser Gemengelange, in der der ursprüngliche olympische Gedanke nur in seiner Abwesenheit glänzt, ein verantwortungsvoller Umgang im medialen, sportlichen und politischen (Spiel-)Feld aussehen? Kinnert und Welzer entwerfen zwei potentielle Szenarien, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Hier klicken.

Episode 38, Januar 2022: Voyeurismus-Formate im Fernsehen – Braucht die Welt das? – Das Dschungel-Camp sorgte in dieser Woche vor allem in den sozialen Netzwerken für viel Reaktion. Grund hierfür ist eine rassistische Äußerung vor laufender Kamera gewesen. Dass die besagte Person jedoch selbst seit Jahren rassistischen Zuschreibungen seitens der Medien ausgesetzt ist, stellt jedoch leider nur ein kleines, unreflektiertes Detail in einem viel größeren Problemkomplex dar, der hier genauer unter die Lupe genommen wird. Am Ende steht fest: Kinnert und Welzer sind sich in ihrer abschließenden Beurteilung, was die Rolle und die Funktion von voyeuristischen Fernsehformaten betrifft, nicht ganz einig.

Episode 37, Januar 2022: Versäumte Selbstkontrolle? Entgrenzungsphänomene der Alltagskultur – Eine Fernsehabenderfahrung bildet für Kinnert und Welzer den Ausgangspunkt zu einer kritischen Auseinandersetzung mit unserer gegenwärtigen Alltagskultur: Ob repräsentierte Gewaltdarstellung im Fernsehen, oder bereits real gewordener Gewalt gegenüber gewissen Berufsgruppen, Verrohung im Sprachgebrauch – auch und vor allem im Politikbetrieb, ob Fragmentierung öffentlicher, aber auch privater Kommunikation in diversen Echokammern, all diese Zustände und Prozesse deuten auf das Phänomen einer entgrenzten Alltagskultur hin, welches uns künftig noch sehr beschäftigen wird, meinen Kinnert und Welzer.

Episode 36, Januar 2022: Dichtung und Wahrheit – Poesie für’s Hohe Haus? – Januar 2022. Es soll eine neue Stelle geschaffen werden im Deutschen Bundestag, nämlich die eines oder einer Parlamentspoet:in, so lautet zumindest der Vorschlag der neuen Grünen-Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt. Es geht darum, politische Kommunikationsprozesse, Fachjargon und verklausulierte Sprachirrungen in sinnlichere Sprachwelten zu übersetzen, andere Wahrnehmungsmöglichkeiten der politischen (Alltags-)Kultur zu schaffen, und damit neue Bezüge zwischen Parlament und Souverän herzustellen. Doch ist dieses Vorhaben auch wirklich sinnvoll – vor allem vor dem Hintergrund der anhaltenden Corona-Pandemie? Darüber denken Kinnert und Welzer nach.

Episode 35, Dezember 2021: Generation Raute – Deutschland 2021 auf Weltniveau? – Es ist seit einiger Zeit Mode, Altersklassen, ja Generationen unter einem bestimmten Begriff oder einen speziellen Namen zusammenzufassen. So kennen wir die Generationen Golf, X, Y usw.​.Mit Ausklang des Jahres 2021 nun könnte eine „neue Generation“ dazugekommen sein – die „Generation Raute“. Diana Kinnert, früh politisiert und heute dreißigjährig blickt auf ihr Leben als Jugendliche und junge Erwachsene ausschließlich auf eine Zeit der Kanzlerin Merkel zurück. Sie, das CDU-Mitglied, kennt Politik nur als Regierungspartei deren Signum eben die Raute war. Was aber bedeutet das für den Einzelnen, für eine Partei, für eine Gesellschaft, wenn Strukturen derart verfestigt erscheinen? Wie kann ein Aufbruch, wie kann Fortschritt aus einer derartigen Starre gelingen?

Episode 34, Dezember 2021: Kreative Architektur – Bauanleitung für eine sozial-ökologische Transformation – Gesellschaftlicher, sozialer und ökologischer Umbau ist nicht nur möglich, sondern in Anbetracht von globalem Klimawandel und Ressourcenknappheit dringend erforderlich. Kinnert und Welzer loten exemplarisch einige Professionen und Milieus mit hohem Transformations-Potential aus, und begeben sich auf die Suche nach ihren inneren Bauplänen: Kreativität, die Lust am Spiel, der Bruch mit einer vorherrschenden industriellen Logik, interdisziplinärer Austausch, all das könnten konkrete methodische Voraussetzungen sein, um aus einem systemischen Denken und Handeln auszubrechen, das bei der Bewältigung von schwerwiegenden sozialen und ökologischen Problemen bisher immer an sich selbst gescheitert ist.

Episode 33, Dezember 2021: Pandemiesurfer – Von Welle zu Welle grüßt das Murmeltier – Im Vergleich zu anderen westeuropäischen Ländern ist die Impfquote nicht nur in Deutschland, sondern im gesamten deutschsprachigen Raum, weiterhin sehr niedrig. Kinnert und Welzer diskutieren die Gründe, wie kulturelle Angst-Narrative, historisch gewachsene Wissenschaftsfeindlichkeit, die Mühen des Föderalismus – kommen aber immer wieder an den Punkt, dass Führung und Politik Impfkampagnen auch entsprechend hätten konzipieren können, dass äußere Umstände weniger wiegen, dass jede Corona-Welle ein Murmeltiertag sei.

Episode 32, Dezember 2021: Die Kanzlerin dankt ab – Was bleibt von der Ära Merkel? – Nach sechzehn Jahren wird Angela Merkel demnächst aus ihrem Amt als Bundeskanzlerin ausscheiden. Was wird oder was könnte ihr politisches Vermächtnis sein? Zwischen Modernisierungsleistungen auf nationalem und internationalem Parkett und klimapolitischen Versäumnissen ziehen Kinnert und Welzer ihre persönliche Bilanz der Ära Merkel. Dabei werden auch ganz individuell-biografische Berührungspunkte der beiden Beobachter:Innen erkennbar.

Episode 31, November 2021: Zeit der Zauderer und Zweifler – Deutschland in der vierten Corona-Welle – Die vierte Welle der Corona-Pandemie hat die Gesellschaft fest im Griff und offenbart erneut Defizite politischer Führung. Kinnert und Welzer diagnostizieren eine politische Kultur des Zauderns, die Vertrauen verspiele und Zweiflern Raum biete.​ Bemerkenswert sei eine Bewegung, die Zweifler unterschiedlichster Couleur zu einer Art Gegenaufklärung zusammenführe, so Kinnert und Welzer in ihrem aktuellen Podcast.

Episode 30, November 2021: Der Migrationskonflikt mit Belarus – Vertagte, verpasste, verantwortungslose Krisenbewältigung – An der polnischen EU-Außengrenze zu Belarus stranden seit mehreren Wochen Menschen, die in völlig inakzeptablen humanitären Verhältnissen dort hinter Zäunen verharren müssen. Sie werden durch das belarusische Regime von Alexander Lukaschenko instrumentalisiert und zum Spielball in einem besonders perfiden „Ping-Pong-Abschlagabtausch“ zwischen der EU und dem belarusischen Machthaber gemacht. Ein Ende des Konflikts ist nicht in Sicht. Das offenbart ein chronisches Problem in Bezug auf den politischen Umgang mit aktuellen Konfliktfeldern, wie Kinnert und Welzer in einer vergleichenden Analyse verdeutlichen: In einer politischen Kultur der Verantwortungslosigkeit, in der die Angst vor einer möglichen Haftbarkeit dominiert, wird es schwer, nachhaltige Problemlösungen zu entwickeln. Genau das aber bietet Diktatoren die Chance für Erpressungsversuche.

Episode 29, November 2021: Lösungsplattform UN-Klimakonferenz? – Von der (Des-)Illusion eines Perpetuum Mobiles – Alles dreht sich, alles bewegt sich, sollte man meinen, aber von der derzeit in Glasgow stattfindenden Welt-Klimakonferenz ist (wieder mal!) keine größere Bewegung in Sachen verbindliche Klimaschutz-Vereinbarungen zu erwarten. Zwar gibt es intensive Anstrengungen durch Teilnehmer:innen und Expert:innen aus den „hinteren Reihen“, das globale Problem der Erderwärmung in den Griff zu bekommen, doch es hakt an den unterschiedlichsten Stellen. Kinnert und Welzer ziehen ihre ganz eigene Bilanz: Die Konferenzen zeigen in ihren wiederholt unzureichenden Ergebnissen vor allem, dass sie selbst Teil des Problems sind, aber auf andere Weise wieder Teil der Problembewältigung werden könnten. Es ist höchste Zeit das Format Konferenz an sich, und die ritualisierten, scheinbar von vornherein durchchoreografierten politischen Verhandlungsstrategien zu überdenken. Vielleicht bietet dieser Denkansatz mehr Bewegungsspiel.

Episode 28, November 2021: Der Fluch der guten Tat – Wenn Solidarisierung dem Falschen nutzt – Eine bedrohte Person verdient Schutz, Beistand und damit die Solidarität der Gemeinschaft. Darüber darf es keinen Dissens geben. Kinnert und Welzer analysieren die Debatte um einen konkreten Fall, der sich im Rahmen der diesjährigen Frankfurter Buchmesse ereignet hat, und suchen exemplarisch Antworten auf die allgemeinen Fragen: Was, wenn die öffentliche Solidarisierung nicht dem Opfer nützt, sondern dem Täter? Wenn das allzu oft in einem fatalen Automatismus und unter medialem Zeitdruck ausgedrückte Bekenntnis ungewollt dem Falschen, die von ihm angestrebte Prominenz verleiht? Sollte unter diesem Gesichtspunkt das Bekenntnis Dritter zum Opfer unterbleiben?

Episode 27, Oktober 2021: Milieufrage – Die Mitte in der Identitätskrise? – Soziolog:innen und Meinungsforscher:innen unterteilen unsere Gesellschaften in verschiedene Milieus. Zielgenau will man das Gruppenbild erfassen, abbilden, um darauf politisch oder ökonomisch reagieren zu können. Was aber wenn das Gruppenbild – das Selbstverständnis der Gruppe abhandenkommt? Was wenn sich eine ganze Gruppe selbst zu verlieren scheint? Kinnert und Welzer spüren dem möglichen Identitätsverlust der Mitte nach, und erkennen im Erodieren dieser tragenden Gesellschaftsschicht in letzter Konsequenz auch etwas Demokratiegefährdendes.

Episode 26, Oktober 2021: Der gelöste Zielkonflikt – Wenn Klimaschutz und wirtschaftlicher Erfolg eins werden – Lange galt der Konflikt zwischen Ökonomie und Ökologie als unlösbar, doch nun gibt es Hoffnung. Führende Unternehmen der deutschen Wirtschaft schlagen neue Töne an: Sie fordern die Politik zu umweltgerechtem Handeln auf und legen einen 100-Tage-Plan für die neue Regierung vor. Für Kinnert und Welzer mehr als ein Hoffnungsschimmer. Vollzieht sich da gerade ein Paradigmenwechsel? Zeigt die Wirtschaft der Politik, wie man aus festgefahrenen Denkschemata herausfinden kann?

Episode 25, Oktober 2021: Stairway to Heaven – Was wird aus dem gesellschaftlichen Aufstiegsversprechen? – Es ist schon Einiges im Begriff des „sozialen Aufstiegs“ selbst angelegt, das es zu hinterfragen lohnt – es drängt sich unwillkürlich das differenzierende Sprachbild „unten“ vs. „oben“ auf und deutlicher könnte ein Gesellschaftsmodell der Hierarchisierung und des damit verbundenen sozialen Unterschieds kaum ausgedrückt werden. Warum ist es bis heute den politischen Entscheidungsträger:innen nicht nur nicht gelungen, Maßnahmen zu ergreifen, die eine nachhaltige Chancen- und Bildungsgerechtigkeit in Deutschland quer durch alle sozialen Milieus ermöglichen? Warum zeichnet sich zudem deutlich ab, dass die aktuelle Sozialpolitik weit hinter den Programmatiken der 1960er und 1970er Jahre zurückbleibt? Zwischen persönlichen Erfahrungen der Entfremdung gegenüber der eigenen Familie und größeren kulturellen und sozial-historischen Verschiebungen kritisieren Kinnert und Welzer die Missstände und Versäumnisse an vielleicht einem der empfindsamsten Punkte gesellschaftlichen Zusammenlebens.​

Episode 24, Oktober 2021: Zukunftsmusik – Welche Stimmfarben bestimmen den Regierungsdreiklang? – Vergangenen Sonntag hat die Republik gewählt. Doch was nun genau das Wahlergebnis bedeutet und konkret welches Regierungsmandat daraus abgeleitet werden kann, darüber diskutieren Kinnert und Welzer – und sind gar nicht einer Meinung. Während Welzer ein klares Votum für ein „Weiter so“ aus der Stimme des Wählers heraushört, richtet Kinnert den Fokus stärker auf die Jungwähler:innen, deren deutlich vernehmlicher Ton vor allem einem von der FDP und den Grünen orchestrierten Politikkurs des Aufbruchs ​gilt. Es scheint also nicht so, als dominiere eine Kakophonie der Beliebigkeit, im Gegenteil: Es sind eher zwei deutlich voneinander unterscheidbare Klänge wahrzunehmen – zwei deutlich antipodische Prinzipien im Politikbetrieb – Progressivität und Kontinuität, zwischen denen auch irgendwie der neu zu bildende Chor des Wahlverlierers CDU/CSU seine Stimmfarbe finden muss.

Episode 23, September 2021: Fernseh-Wahlkampf-Arenen – Inszenierte Spiegelbilder realer politischer Debatten? – TV-Trielle – in den Hauptrollen die drei Kanzlerkandidat:innen offenbaren mehr Fehleinschätzungen, Verkalkulierungen und Hybris, als es den Macher:innen wahrscheinlich lieb gewesen ist. In einer Art Inszenierungsanalyse durchschreiten Kinnert und Welzer die Zeichensysteme Bühne, Dramaturgie und Performanz ebensolcher Wahlkampformate und kommen zu der Einschätzung, dass gesellschaftsrelevanter Sinn und Bedeutung dieser Form der Aufführung abhandengekommen zu sein scheint. Diese Wahlkampf-Arena ist jedenfalls nicht der Ort, an dem die Rahmenbedingungen für einen lebendigen, emotionalen und ernsthaft sachpolitisch-orientierten Wettstreit gegeben sind – eine Arena inszenierter Papiertiger, denen die Chance genommen wird zu ihrem Publikum durchzudringen.

Episode 22, September 2021: Warum trauen wir unseren Augen nicht, wenn in der Klimakrise Offensichtlies verdrängt wird? – Maximal 1,5° C. Es war das große Ziel der Pariser Klimakonferenz 2015. Das soll es natürlich immer noch sein, obwohl wissenschaftliche Studien bereits nahelegen, dass Deutschland, selbst mit den bereits ergriffenen Maßnahmen zur Begrenzung der Erderwärmung – beispielsweise durch die CO2-Bepreisung, seinen Teil der Vereinbarung nicht einhalten wird. Das einst erklärte Ziel ist in weite Ferne gerückt. Wie also damit umgehen? Kinnert und Welzer durchdenken den aktuellen Klimadiskurs und gehen dabei der Frage nach, wie ein Paradigmenwechsel hin zu einem echten Gestaltungsdiskurs möglich sein kann. Weder das Starren auf abstrakte Zahlen, noch die Fixierung auf allein technische Lösungen wird uns zum Politischen zurückbringen.

Episode 21, September 2021: Politik und Pädagogik – (mit angezogener Handbremse) Volle Kraft voraus – Wer in der Politik zukunftsorientiert neue Ideen und Transformationsprozesse vorantreiben, alternative Lösungen gesamtgesellschaftlicher Probleme auf den Weg bringen, und die Mehrheit der Gesellschaft hinter sich vereinen will, dem- oder derjenigen sei geraten neue Strategien auszuloten, um auch tatsächlich noch in diesem Jahrhundert ans Ziel zu gelangen. In diesem Punkt sind sich Kinnert und Welzer einig. Aber auf welche Mittel und Tools die politischen Akteur:innen stattdessen zurückgreifen sollten, darüber lässt sich gedankenreich streiten. Letzten Endes bedeuten authentische Transformationsbestrebungen eben immer auch, das eigene Denken und Handeln in Frage zu stellen – denn nicht selten ist die Bremskraft im Inneren zu finden.

Episode 20, September 2021: Das Afghanistan-Moment – Geregelte, routinierte, institutionalisierte Verantwortungslosigkeit – Wer bei den aktuellen katastrophalen Zuständen in Afghanistan an eine griechische Tragödie denkt, oder davon die Rede macht, hätte nicht weiter fehlen können. Die humane Katastrophe ist weder auf einen unabwendbaren Schicksalsschlag zurückzuführen, noch kann sie mit einer Art Naturkatastrophe verglichen werden. Kinnert und Welzer denken energisch gegen dieses rhetorische Kalkül und die dahinterstehende Haltung und Praxis der politischen Verantwortungslosigkeit an. Dabei geht es um weitaus mehr als gegenseitige Schuldzuweisungen und Fehleinschätzungen. Das Debakel in Afghanistan spiegelt das Scheitern eines gesamten, von Überhöhung gekennzeichneten, westlichen Selbstverständnisses. Das Gespräch wurde vor den Attentaten am Flughafen in Kabul und der Beendigung der Evakuierungsmission der Deutschen Bundeswehr aufgezeichnet.

Episode 19, Juni 2021: Zwischen Anspruch und Wirklichkeit – Alte und neue Formate der politischen Kommunikation – In der letzten Folge vor der Sommerpause und pünktlich zum Start in die heiße Phase des Bundestagswahlkampfes wagen Kinnert und Welzer einen Vergleich politischer Kommunikationsformate. Vom klassischen Wahlprogramm schlagen sie dabei den Bogen zu den neueren, digitalen Kommunikationsplattformen: Parteieigene Newsrooms, „Erklärformate“ im Unterhaltungsstil auf Streaming-Plattformen. Ergebnis der Betrachtung aus medienpolitischer Perspektive: Unabhängiger Journalismus ist unverzichtbar. Kinnert und Welzer machen hier aber nicht Schluss, sondern formulieren mögliche zeitgenössische Formate der politischen Kommunikation – jenseits der Illusion.

Episode 18, Juni 2021: Der Zweck heiligt nicht immer die Mittel – Verstrickungen um Artikel 3 des Grundgesetzes – Auf den ersten Blick erweisen sich die eingebrachten Änderungsvorschläge in Bezug auf den Antidiskriminierungsartikel, beispielsweise wenn es darum geht, einige der im Grundgesetz verankerten, unzeitgemäßen Begriffe ganz zu streichen, oder zumindest umzuformulieren, als vollkommen nachvollziehbar und notwendig. Aber Vorsicht! Hier tun sich ungewollt Stolperfallen auf. Kinnert und Welzer legen in ihrem Denkprozess einen präziseren, zweiten Blick frei und prüfen dabei die Sinnhaftigkeit einer Verfassungsreform.

Episode 17, Juni 2021: Wanted: Wählerschaft (m/w/d) mit historischem Klassenbewusstsein – Eine politische Bewegung auf der Suche nach der verlorenen Zeit – Irgendwas stimmt bei dieser „Ausschreibung“ ganz offensichtlich nicht, denn wer soll sich bei diesem Aufruf angesprochen fühlen? Die Gründer:innen eines jungen Startup-Unternehmens? Alleinerziehende im Home-Office? Die Facharbeiter:innen bei Volkswagen und Co.? Akademiker:innen ohne Aussicht auf eine Festanstellung? Nicht nur die Ergebnisse der letzten Landtagswahl in Sachsen-Anhalt setzen ein dickes, fettes Ausrufezeichen hinter eine Tatsache, die schon lange Zeit offensichtlich ist: Das, was Klassische Linke Theorie sowie deren Übersetzung in die politische Praxis einst unter einen programmatischen Hut bekommen hat, ist nur noch als ein schwaches Echo einer lang vergangenen Zeit wahrnehmbar – ein archaisch wirkender Schlachtruf ohne jegliche Strahlkraft in die Gegenwart hinein. Der Linken Bewegung und ihren parlamentarischen Parteien wäre eine Art Proust-Effekt zu wünschen: Erinnern, was sie einst so auratisch und charismatisch hat werden lassen – ihre visionäre Kraft, ihre Fähigkeit ein alternatives Gesellschaftsmodell über die nationalen Grenzen hinaus zu erdenken und gestalten zu wollen, aber eben diese Ziele den Lebensbedingungen postmoderner Gesellschaften anzupassen. Also dann: Wanted: Scouts (m/w/d) zum Aufspüren von relevanten Gesellschaftsphänomenen mit großer Lust an der Entwicklung langfristiger (programmatischer) Zukunftsvisionen. Ausrufezeichen.

Episode 16, Juni 2021: Schlagende, statt niederschlagende Argumente – Wege in eine adäquatere Bildungspolitik – Die Bildungspolitik hat aktuell mindestens zwei gravierende Probleme, die wie in so vielen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens durch die Corona-Krise verstärkt zum Vorschein kommen: Während sich Gesellschaft im stetigen Wandel befindet, scheint sie selbst in ihren vermeintlichen Lösungsansätzen auf der Stelle zu treten. Und wer ständig auf ein und derselben Stelle herumtrifft, kommt erstens nicht vorwärts und läuft zweitens Gefahr, sich selber in ein so tiefes Loch hinein zu stampfen, sodass der notwenige politische Weitblick unmöglich wird. So gesehen, kann man auch aktuell zu der These gelangen, dass Bildungspolitik nicht wirklich existiert. Zurück bleibt allerdings keine gedankliche „Lehrstelle“ – im Gegenteil: Kinnert und Welzer nutzen sie als Chance und denken darüber nach, wie und woran sich eine zeitgemäße Bildungspolitik orientieren müsste.

Episode 15, Mai 2021: Antisemitismus, Aufklärung und Aufmerksamkeit – Die eigene Erfahrungswelt als Quelle der Erkenntnis (Teil 2) – Am Anfang der Entwicklung alternativer Strategien gegen Menschenfeindlichkeit und Antisemitismus könnte auch eine ganz simple Frage stehen: Was hat diese Thematik mit mir bzw. mit jedem und jeder einzelnen von uns zu tun, wo finden sich eigene Ausgrenzungserfahrungen? Wenn Antisemitismusprävention an dieser Stelle ansetzen würde, wäre sie um einiges weiter, das heißt wesentlich wirksamer. Warum? Das erläutern Kinnert und Welzer im zweiten Teil unserer Doppelfolge zum Thema Antisemitismus.

Episode 14, Mai 2021: Antisemitismus, Aufklärung und Aufmerksamkeit – Reformbedürftiger Ist-Zustand (Teil 1) – Im Zuge des jüngsten Nahost-Konflikts kommt es in Deutschland zu vermehrt antisemitischen Straftaten – Demonstrant:innen hetzen auf der Straße offen gegen Juden. Grund genug für Kinnert und Welzer in diesem ersten Teil unserer Doppelfolge politische und journalistische Reaktionen kritisch zu hinterfragen. Und sie stellen fest: Die Reaktionen auf die wiederkehrenden antisemitischen Eruptionen bleiben formelhaft und erwartbar, weshalb sie ohne Wirkung sind. Der Ruf nach Bildung hört sich gut an, verändert selbst aber noch nichts an menschenfeindlichen Orientierungen. Um der Komplexität der Dinge wirklich auf den Grund zu gehen, bedarf es vor allem an Zeit und an dem Willen oder der Fähigkeit eines authentischen (Nach-)Denkens. Kinnerts und Welzers Denkarbeit ist an dieser Stelle nicht beendet. Hören Sie gerne weiter im zweiten Teil.

Episode 13, Mai 2021: ACHTUNG Sprache! Im Fadenkreuz medialer Öffentlichkeiten – Es kommt nicht von ungefähr, dass Menschen des öffentlichen Lebens sich immer mehr hinter Sprachmauern verschanzen: Die Spannbreite ist groß und reicht von lapidaren, beinahe inhaltslos gewordenen, fleischlosen Satzhüllen bis hin zu komplett verklausulierten Sprachgebirgen, deren Gipfel wahrscheinlich nur wenige Fachexpert:innen erklimmen. Wer verbal ausschert, bemüht sich hinterher meist um Eingrenzen des Schadens an seiner Person, bzw. seiner Funktion, oder entlarvt eigenes Kalkül – frei nach dem Motto: Bad publicity is better than no publicity. An aktuellen Fallbeispielen zeichnen Kinnert und Welzer nach, warum die Polyvalenzen gesprochener und verschriftlichter Sprache unbedingt erhalten bleiben müssen, und welche Gefahren für unsere demokratische Kultur hinter einer politisch motivierten Vereinheitlichung von Sprache und ihren Begriffen lauern.

Episode 12, Mai 2021: Kartografie mit (schöner) Aussicht! – Transformationsprozesse in gesellschaftlichen Bereichen hängen von vielen Faktoren ab. Für den Anfang braucht es allerdings erstmal so was wie eine gute Idee: Kinnert und Welzer vermessen ganz individuell neue Möglichkeitsformen einer Landschaft politischer Institutionen und Verantwortungsbereiche. Dabei sind sie sich nicht immer einig. Ihre alternativen Anordnungen ermöglichen uns einen kartografischen Blick, in dem sowohl adäquate gegenwarts-, als auch zukunftsfähige Organisationsmodelle sowie die direkte Anbindung zwischen politischen Handlungsfeldern und Verantwortlichkeit lesbarer werden – eine werbefreie Werbung für mehr Mut und lustorientierte Zukunftsgestaltung!