THE DAY AFTER TOMORROW

Im Herbst 2020 habe ich begonnen, Deutschlands erfolgreichsten Zukunftspodcast wöchentlich zu kuratieren. Der Podcastzyklus „Der Achte Tag“ von Gabor Steingarts Pioneers ist der am meisten gehörte Podcast über ein Deutschland nach der Pandemie und nach der Krise im deutschsprachigen Raum. Architekten und Architektinnen der Zukunft stellen in 15-minütigen Monologen ihre Visionen und Erzählungen für eine Welt im Dritten Millennium vor.

In den nächsten Folgen sprechen der Investor und Aktivist Claas Helmke, die ehemalige Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland Charlotte Knobloch, die britische Diplomatin Rachel King, die Theologin und Mitglied des Deutschen Ethikrates Petra Bahr, die Kommunikationsiwissenschaftlerin und Innovatorin Jule Jankowski und der Aktivist Martin Speer.

Folge 15 am 26. Februar 2021 mit der Unternehmerin Aimie-Sarah Carstensen. Aimie-Sarah Carstensen ist Gründerin von ArtNight, einem „Edutaining“-Erlebniskonzept mit dem Ziel, Menschen offline zusammenzubringen. Bis Februar 2020 hat sie über 500.000 Menschen in 84 Städten in ganz Europa miteinander verbunden – durch Gemeinschaftskurse zu Malen, Kochen, Gärtnern, alles offline. Carstensen warnt vor der Digitalisierung des Sozialen: Soziale Netzwerke sind virtuelle Fesseln und kein digitales Eldorado. Die Digitalisierung des Soziallebens ist der größte Treiber von Einsamkeit.

Folge 14 am 19. Februar 2021 mit der Politikwissenschaftlerin und Publizistin Susanne Kaiser. Susanne Kaiser ist Autorin des Buches „Politische Männlichkeit – Wie Incels, Fundamentalisten und Autoritäre für das Patriarchat mobilmachen“. Darin erarbeitet sie, wie misogyne Netzwerke im Internet und in allen Teilen der Welt in verbale und reale Gewalt umschlagen können. Und sie warnt: Wir dürfen den autoritären Backlash in Unsicherheit gefallener Männer nicht unterschätzen. Anstelle männlicher Vorherrschaft brauchen wir neue inklusive Kultur, die Platz und Raum für alle hat.

Folge 13 am 12. Februar 2021 mit dem Digitalisierungsexperten Gerald Swarat. Gerald Swarat gehört zu den führenden Digitalisierungsexperten für den ländlichen Raum. Er strebt eine Revitalisierung der Dörfer an, denn er glaubt, dass Veränderung und Fortschritt vor allen Dingen in den Kommunen entstehen. Daher versteht sich Swarat auch als Dörfer-Lobbyist, einer, der hinsieht, wo Fortschritt ausprobiert, erprobt und vorbereitet wird – in den Städten, Gemeinden und eben Dörfern. Im Achten Tag berichtet er davon, was die „Berliner Blase“ nicht leisten kann: Diskussionen finden vor Ort statt, in den Kommunen. Dort müssten die Luftschlösser aus dem Silicon Valley im Boden verschraubt werden und den kritischen Fragen in Bürgerversammlung standhalten. Das Potenzial der kommunalen Ebene liege also auch darin, das ewige Mantra des Menschen im Mittelpunkt mit Leben zu füllen.

Folge 12 am 5. Februar 2021 mit dem Model und der Transaktivistin Phenix Kühnert. Phenix Kühnert ist Model und Transaktivistin. Im Achten Tag teilt sie ihre Geschichte als transsexuelle Frau und wirbt für eine achtsame und diverse Sprache, die Menschen wie ihr Räume bietet. Sie berichtet von den Bedrohungen und Angriffen, die ihr widerfahren, und erzählt, weshalb Corona-Masken ihr momentan das Leben im Alltag erleichtern.

Folge 11 am 29. Januar 2021 mit dem Musikjournalisten Jan Kawelke. Jan Kawelke ist Musikjournalist, Gründer und Host von Deutschlands einzigem Kulturformat, in dem Spitzenpolitiker auf Rapper treffen und über Politik und Hip-Hop-Kultur diskutieren; dem Machiavelli-Podcast. Kawelke meint, dass zeitgemäße Politiker Hip-Hop-Kultur als demokratischen Seismographen nicht weiter ignorieren dürften. Themen wie Polizeigewalt, Seenotrettung, Rassismus und Gesundheitsversorgung würden seit Jahrzehnten in aktueller Rapmusik thematisiert. Hip-Hop-Kultur artikuliere sich über ihre Kunst statt über Parteieintritte.

Folge 10 mit der Medizinerin Laura Simonow. Die zivilisatorische Geschichte der Heilpflanze Cannabis reicht über 3000 Jahre zurück. Schon im alten Ägypten und im alten chinesischen Kaiserreich wurde mit Cannabis gearbeitet. Das moderne Verhältnis zu dieser Pflanze aber lässt sich auf eine sehr junge staatspolitische Entscheidung zurückführen: Vor erst 50 Jahren ist Cannabis als Droge eingestuft worden. Das ist tragisch, sagt die Medizinerin Laura Simonow. Denn wer einen Stoff kriminalisiert, provoziere Forschungsstau. Forschung, Innovation und medizinische Lerneffekte im Bereich der Schmerztherapie, der Neurologie und der Psychiatrie seien zunehmend vom Privatsektor abhängig. Im Achten Tag plädiert sie für einen differenzierten Umgang mit Cannabis.

Folge 9 mit dem Literaturwissenschaftler Jürgen Wertheimer. Der Literaturwissenschaftler Prof. Jürgen Wertheimer setzt für das Verteidigungsministerium das Projekt Cassandra um: eine vergleichende Analyse tausender Bücher vor kriegerischen Konflikten. Damit entwickelt er Methoden, wie man aus der Gegenwartsliteratur einer Region die Wahrscheinlichkeit eines Krieges errechnet. Wie dieses spannende Projekt genau funktioniert und was Donald Trump mit Friedrich Dürrenmatt zu tun hat, erklärt er im Achten Tag.

Folge 8 mit dem Hacker und Innovator Sven Weizenegger. Seit sechs Monaten ist Sven Weizenegger, Jahrgang 1982, der neue Leiter des Cyber Innovation Hubs der Bundeswehr. Zuvor war er 13 Jahre lang als erster offizieller Hacker und Lead of Security Testing für die Deutsche Telekom tätig. Im Achten Tag erläutert er seine Gedanken zur Sicherheit der Soldatinnen und Soldaten im Auslandseinsatz und stellt seine Ideen vor, wie die Bundeswehr zukunftsfit und zukunftssicher gemacht werden kann.

Folge 7 mit dem Gründer Til Oltmanns. Der 25-jährige Tech-Gründer und Plattformbauer Till Oltmanns ist für sein Vorsorge-Portal mit über zwei Millionen Nutzern sogar vom Forbes-Magazin ausgezeichnet worden. Sein Start-up Afilio hilft Senioren bei Fragen rund um die Altersvorsorge. Von Patientenverfügungen, über die Pflegeversicherung bis hin zur Aufsetzung eines Testaments. Im Achten Tag erläutert er, was seine eigene Generation ausmacht: „Was wir haben, ist Freiheit. Was uns fehlt, ist die Orientierung, um sie zu nutzen.“ Er glaubt, dass Jugendliche diese Orientierung finden können, wenn sie mehr und vor allem anders mit älteren Menschen sprechen und von ihnen lernen – insbesondere was ihren Blick auf die Zeit angeht.

Folge 6 mit der Programmieren Mina Saidze. Mina Saidze ist Programmiererin, Gründerin und Direktorin des europäischen Standortes von Women in Data. Das ist eine Organisation mit mehr als 12.500 Mitgliedern in San Francisco, London und Berlin. Im AchtenTag spricht sie über ihre Mission: Diversität in den neuen Datenberufen und in der künstlichen Intelligenz fördern. Sie weist darauf hin, dass Technologie nie neutral ist, dass sie auf Wertannahmen, auf Ausschnitte und Subjektivitäten fußt – mitsamt der gesellschaftlichen Auswirkungen.

Folge 5 mit der Politikberaterin Sophie Pornschlegel. Wie wird die EU die durch die Coronakrise entstandenen Schulden zurückzahlen? Wird das nächste EU-Budget vor allem für die Rückzahlung dieser Schulden genutzt? Werden Investitionen in die digitale Transformation, in den Green Deal, in Forschung und Innovation aufgeschoben? Sophie Pornschlegel ist Politikberaterin in Brüssel und sie befürchtet, dass die Kosten der Pandemie auf die nächste Generation abgewälzt werden. Im Achten Tag plädiert sie für eine Neuausrichtung der EU-Politik, die die jungen Generationen mitdenkt und das Projekt Zukunft ernst nimmt.

Folge 4 mit der Soziologin Claudia Neu. Wahlergebnisse unterscheiden sich zwischen Stadt und Land. Das Urbane und das Provinzielle verstehen einander nicht immer. In infrastrukturell vernachlässigten Siedlungsgebieten baut sich Unverständnis gegenüber elitärer, identitätspolitischer Folklore auf. Das mündet auch in Verführbarkeit gegenüber Populisten. Die liberalen Städter sehen sich mit Ewiggestrigen konfrontiert, die in Ostdeutschland oder im amerikanischen Mittleren Westen Saboteure der eigenen Zukunft wählen. Oft werfen wir mit Vorurteilen um uns und lassen dabei das Entscheidende vermissen: Den ernsten Willen, zu verstehen und aufeinander zuzugehen. Die Professorin Claudia Neu aber macht genau das. Die Leiterin des Fachgebiets Soziologie ländlicher Räume der Universitäten Göttingen und Kassel spricht im Achten Tag über infrastrukturelle Voraussetzungen für Gemeinwesen und Zusammenhalt im ländlichen Raum.

Folge 3 mit der Marineoffizierin Nariman Hammouti. Nariman Hammouti wurde 1979 als Kind marokkanischer Eltern bei Hannover geboren. Seit 2005 ist sie bei der Bundeswehr und war mehrfach im Auslandseinsatz in Afghanistan. Heute ist sie Marineoffizierin, und ihre Haltung dazu ist eindeutig: „Ich habe den schönsten Beruf der Welt“, sagt sie. Wie schaut jemand wie Nariman Hammouti auf die deutsche Gesellschaft? Auf die destruktiven politischen Kräfte von rechts, auf gesellschaftliche Debatten, in denen Deutschsein anhand einer Leitkultur bemessbar gemacht werden soll, auf den gnädigen Konsens, Frauen müssen nicht zwingend am Herd stehen.

Folge 2 mit dem Gesundheitsexperten Bart de Witte. Der in Belgien geborene Experte für die digitale Transformation im Gesundheitswesen. Bart de Witte war knapp 20 Jahre lang für Konzerne wie IBM und SAP tätig. Heute kämpft er mit seiner Organisation The Hippo AI Foundation dafür, Gesundheitsdaten den Beschränkungen von Privatisierung und staatlicher Regulierung zu entziehen und wieder der Obhut der Allgemeinheit zuzuführen. Dafür kommt er auf einen alten Begriff zurück: Den Begriff der global commons, der globalen Allgemeingüter. Im Achten Tag erläutert er, wie die Kehrtwende hin zu einem offenen, humanistischen und gesunden Europa doch noch gelingen kann. Denn: Wir alle produzieren tagtäglich eine gewaltige Menge gesundheitsrelevanter Daten. Bereinigt und schlau gelesen gibt diese Datenmenge Auskunft über gesundheitliche Korrelationen und Kausalitäten.

Folge 1 mit der Journalistin Victoria Reichelt. Auf der chinesischen Plattform tummeln sich 700 Millionen aktive Nutzerinnen und Nutzer. In Deutschland sind 65 Prozent der über 12 Millionen Aktiven unter 24 Jahre alt. Auf TikTok kommt man einer Jugend nahe, die nicht immer intuitiv anständig ist und die absolute Konformität lebt, sondern Überforderung und Resignation Ausdruck verleiht. Von einem Ort, an dem die Sehnsucht nach autarker Landhausidylle eine ganze Enkelkinder-Generation in den Bann zieht, Greta Thunberg eher als Meme denn als Vorbild verstanden wird, und Harry Potter nicht mehr als ein alter, weißer Mann ist – hier reinhören.