PODCAST WELZER

Jede Woche diskutieren der Soziologe und Sozialpsychologe Harald Welzer und Diana Kinnert zu einem Stichpunkt aus der aktuellen politischen und gesellschaftlichen Debatte. Der Podcast, den der Fernsehsender phoenix produziert, ist kostenfrei auf Spotify und anderen Streaming-Plattformen zu hören. „Denken mit Kinnert und Welzer“ geht gesellschaftlichem Wandel, den Mühen und Mühlen der Transformation und alten und neuen Architekturen und Arithmetiken der Macht nach. Im Nachdenken geraten dabei eigene Vorurteile und Gewissheiten ins Wanken. Der Fernsehsender phoenix bewirbt: „Utopist trifft auf Realistin. Sie ist jung, weiblich, mit Migrationshintergrund, deutsch und netzaffin. Er ist älter, männlich, autochthon deutsch und klassisch-linear. Gemeinsam denken sie nach.“ Alle Episoden sind hier zu hören.

Dezember 2025: Unzureichend verstandener Rechtsdrift – Immer mehr Länder wählen rechte Regierungen, zuletzt Chile. Kinnert und Welzer diskutieren die Gründe: Anders als die klassischen linken Theorien, die ökonomische Gründe wie die Angst vor Abstieg anführen, halten sie die permanent steigende Innovationsgeschwindigkeit für etwas, das den Menschen Orientierung nimmt. Menschen brauchen nicht nur Veränderung, sondern auch Stabilität, um sich sicher und beheimatet zu fühlen. Der Innovationsfetischismus ist nicht nur ein sinnloses Leitbild, sondern unterminiert Orientierungssicherheit und ist deshalb ungut für die Demokratie.

Dezember 2025: Analoge Orte der Begegnung – Demokratie braucht analoge Orte der Begegnung, wo man „bubblefrei“ zwanglos mit anderen Menschen ins Gespräch kommen kann. Solche „Dritte Orte“ wie Dorfkneipen oder Vereinshäuser sind in den vergangenen Jahrzehnten immer mehr zurückgegangen, und inzwischen ist klar geworden, dass sich die für die Demokratie notwendigen Gemeinschaftsgefühle nicht digital herstellen lassen. Hinsichtlich der Rolle der Politik dabei haben Kinnert und Welzer kontroverse Positionen, aber genau die kann man in „Wohnzimmern der Gesellschaft“ friedlich und konstruktiv austragen.

Dezember 2025: Generationenkonflikt in den Parteien – Die Auseinandersetzung zwischen der Jungen Gruppe in der CDU und der Parteispitze droht, ohne Not ein Showdown zu werden, der sogar den Fortbestand der Regierungskoalition gefährden kann. Kinnert und Welzer sprechen darüber, wie der Konflikt besser und produktiver hätte gemanaged werden können und kommen schließlich zu dem Vorschlag, dass ein gemeinsamer Kongress der Nachwuchsorganisationen der etablierten Parteien eine gute Sache wäre. Weil Grüne Jugend, Jusos und Junge Union strukturell dieselben Probleme mit ihren Mutterparteien haben.

Dezember 2025: Deutscher im Ausland – Die abfälligen Äußerungen des Bundeskanzlers über die Lebensverhältnisse in anderen Ländern reißen nicht ab. Kinnert und Welzer fragen sich, ob das provinzielle Unbedarftheit ist oder, viel gravierender, Ausdruck einer Abkehr vom Multilaterismus. Spielt hier Donald Trumps Modell eines Retronationalstaats die Rolle eines Vorbilds, dem das Deutschland von Friedrich Merz nachzueifern bestrebt ist? Dafür fehlen dem Land die Machtmittel, so dass die Frage „hässlicher Deutscher“ oder „außenpolitische Strategie“ unentschieden bleiben muss.

November 2025: Die sogenannte Stadtbild-Debatte, die der Bundeskanzler vom Zaun gebrochen hat, geht weiter. Kinnert und Welzer fragen sich, warum hier wieder mehr über den Konflikt innerhalb der Koalition diskutiert wird als über die Verwahrlosung bestimmer Bezirke vieler Städte, die Ursachen hat, die nicht in der Migration zu suchen sind, sondern in jahre- und jahrzehntelanger politischer Ignoranz gegenüber kommunalen Problemen. Dazu ventilieren sie künftige Protestpotentiale.

November 2025: Opfer der Geschichte – Der 9. November als Jahrestag (nicht nur) des Mauerfalls gibt Kinnert und Welzer Anlass zum Nachdenken darüber, warum sich das Gefühl historischer Ungerechtigkeit und Benachteiligung nicht über die Generationen hinweg „versendet“, sondern, wie im Fall Ostdeutschlands, vital zu bleiben scheint. Dabei spielen aber nicht nur Gefühle, sondern auch demographische Faktoren eine wichtige Rolle: der Osten hat große Teile weiblicher Bevölkerung verloren, was Folgen für die Mentalität und die politischen Orientierung hat. Und zwar nachhaltige.

November 2025: Hilft gegen rechten Populismus linker Populismus? – Kinnert und Welzer diskutieren vor dem Hintergrund der Wahl von Zohran Mandami zum Bürgermeister von New York, welche Strategien gegen den Rechtspopulismus wirksam sind. Dabei entspinnt sich eine Kontroverse darüber, ob erfolgreiche Gegenstrategien selbst populistisch sein müssen. Auf jeden Fall müssen, so ergibt die Debatte, im politischen Wettbewerb klare eigene Positionen erkennbar sein, deren Ermangelung ein zentraler Grund für den Zustimmungsverlust der ehemaligen Volksparteien in Deutschland ist.

November 2025: Stadtbildzerstörung – Spitzenpolitiker von CDU und CSU triggern eine neue Debatte: Ist die Rede vom „Stadtbild“ im Zusammenhang mit migrantischen Personen rassistisch? Kinnert und Welzer finden, dass die Aufgabe eines Bundeskanzler in der Integration der Gesellschaft, nicht in der Differenzierung von Zugehörigen und Nicht-Zugehörigen besteht. Daneben bleibt die Frage, was die Absicht der Eskalation spalterischer Narrative ist – doch nicht etwa der immer irriger werdende Glaube, man nehme den Rechten Stimmen, wenn man ihre Rhetorik übernimmt.

November 2025: Frieden? – Donald Trump hat einen wichtigen Schritt zur Beendigung des Gaza-Krieges initiiert. Kinnert und Welzer sprechen darüber, wie belastbar die zunächst eingeleitete Entspannung sein wird und unter welchen Voraussetzungen und Einflussnahmen die Zustimmung von Israel und der Hamas eigentlich zustandekam. Dabei ist auffällig, dass man überhaupt nichts darüber weiß, welche „Deals“ diesem wichtigen Schritt eigentlich zugrundeliegen, obwohl der Initiator doch derjenige ist, der Außenpolitik durch Deals zu ersetzen bestrebt ist. Kann man eigentlich die Bedeutung, Tragweite und Nachhaltigkeit einer internationalen Vereinbarung beurteilen, wenn man nichts über ihre Hintergründe weiß?

Oktober 2025: Spezial: Frankfurter Buchmesse 2025 mit Michael Roth (SPD) – phoenix ist mit dem wöchentlichen Podcast „Denken mit Kinnert und Welzer“ zu Gast auf der Frankfurter Buchmesse 2025. Diesen Auftritt bestreitet das Podcast-Duo Diana Kinnert und Harald Welzer mit dem SPD-Politiker und ehemaligen Bundestagsabgeordneten Michael Roth, der Anfang 2025 aus dem Bundestag und der aktiven Politik ausschied. In einem sehr persönlichen und offenen Gespräch schlagen Kinnert und Welzer gemeinsam mit Michael Roth die Brücke von seiner schweren Kindheit über die ersten Schritte in der Politik bis in die Gegenwart: Es geht um Selbstfindung, Freundschaften und Nicht-Freundschaften, Akzeptanz und Momente großer Selbstzweifel.

Oktober 2025: Völlig losgelöst – Kinnert und Welzer sprechen über die scheinbare Unverbundenheit der Gegenwart mit der Vergangenheit. Es gibt eine Arroganz der Gegenwart, in der es scheint, als seien die aktuellen Errungenschaften und die berühmte „Innovation“ etwas ganz und gar Einzigartiges. Aber frühere Epochen haben Dinge hervorgebracht, gegen die etwa die KI eher ärmlich aussieht.

Oktober 2025: Kämpfen ohne Anklagen und Einklagen – Jane Goodall ist gestorben. Kinnert und Welzer sprechen über ihre grundlegend friedliche Weise, für ihr Lebenswerk, den Schutz der nichtmenschlichen Primaten, einzutreten und zu werben und sehen in ihr ein Vorbild, um aus den Diskursfallen von Anklagen und Einklagen herauszukommen, die immer zur Polarisierung beitragen.

September 2025: Jesus und Trump – Die Trauerfeier für den ermordeten MAGA-Aktivisten Charlie Kirk war geprägt von evangelikaler Rhetorik, der Getötete wurde als „Märtyrer“ bezeichnet. Religiöse Überhöhung ist ein wiederkehrendes Merkmal totalitärer Bewegungen, weil sie den politischen Zielen in das Licht eines gleichsam göttlichen Auftrags stellt. Kinnert und Welzer sprechen darüber, ob dies eine neue Stufe in der politischen Transformation der USA darstellt.

September 2025: Paradoxe Interventionen – In Österreich haben gerade drei betagte Nonnen ihr Kloster besetzt, weil sie nicht in dem Pflegeheim wohnen wollten, in das man sie verbracht hatte. Die Aktion der munteren Besetzerinnen spielt mit den begrenzten Interventionsmöglichkeiten von Seiten des Propstes und der Kirche insgesamt – man wird ja nicht mit Gewalt Nonnen aus ihrem Kloster tragen wollen. Kinnert und Welzer diskutieren vor diesem Beispiel die Phantasielosigkeit heutiger Proteste und finden paradoxe Interventionen gut.

September 2025: Eskalation und Spaltung – Gerade eskalieren die kriegerische Konflikte. In Polen werden russische Drohnen abgefangen, Israel interveniert in Katar. Kinnert und Welzer fragen sich, wie eigentlich solche eskalativen Dynamiken abgebremst werden können. Besonders in Zeiten, wo die öffentliche Auseinandersetzung über schwierige Problemlagen nur binär stattfindet – etwas ist entweder richtig oder falsch, gut oder schlecht, schwarz oder weiß, aber nie ambivalent – , ist es schwierig, rational begründete Abzweigungen aus dynamischen Prozessen zu bahnen.

Juli 2025: Alle Menschen sollten Frauenfußballerinnen sein – Die Frauenfußball-Europameisterschaft liefert andere Bilder als der Männerfußball: Statements zu Vielfalt und Antirassismus wirken hier nicht aufgesetzt und künstlich, sondern authentisch; auch der Umgang der Spielerinnen miteinander auf dem Platz und die Freude über Erfolge liefern andere, weniger martialische Bilder von Triumphen. Kinnert und Welzer diskutieren, ob das mit den Lebenswelten der Spielerinnen zu tun hat, in denen Solidarität und Kämpfen gegen Benachteiligungen auch eigene Erfahrungen sind und entsprechend Haltungen prägen.

Juli 2025: Recht kann nicht relativ sein – An immer mehr Stellen der politischen Debatte kann man ein leichthändiges Übergehen rechtlicher Gegebenheiten feststellen: Beim Völkerrecht, bei der Grenzsicherung, durch einen Vorstoß der Wirtschaftsministerin und auf EU-Ebene was die vereinbarten Klimaziele angeht. Kinnert und Welzer fürchten eine innere Erosion unseres Rechtsstaats, die gefährlich gerade dann ist, wenn sich andernorts Demokratien in Autokratien verwandeln. Gerade dann müssen die erkämpften zivilisatorischen Standards verteidigt und nicht vernachlässigt werden.

Juni 2025: Digitale Souveränität – Kinnert und Welzer staunen: Nach der Loslösung aus der Energieabhängigkeit von Russland folgt nun die militärische Aufrüstung, um Abhängigkeit von der ehemaligen Schutzmacht USA zu erreichen. Aber erstaunlicherweise ist die fast vollständige digitale Abhängigkeit deutscher Unternehmen, Verwaltungen und Privatmenschen von amerikanischen Datenkonzernen politisch noch kaum ein Thema. Man fragt sich nur: Wie will man in der Verteidigung unabhängig sein, wenn man am Datentropf von Microsoft und Co hängt?

Juni 2025: Wo ist die amerikanische Zivilgesellschaft geblieben? – Am vergangenen Wochenende gab es in mehr als 2.000 Städten der USA Demonstrationen gegen die Regierung Donald Trumps. Gemessen an den tiefen Eingriffen in die demokratische und rechtsstaatliche Kultur der Vereinigten Staaten scheinen Kinnert und Welzer die Größenordnung der Proteste eher mickrig und ihr Motto „No Kings“ eher unpolitisch. Kann es sein, dass die libertäre Ideologie der letzten Jahrzehnte so erfolgreich war, dass die Idee von kollektivem Widerstand gar nicht mehr in Köpfen ist?

Juni 2025: Inhalte sind uninteressant – Kinnert und Welzer sprechen über das Manifest aus den Reihen der SPD, das sich gegen eine „irrationale“ Aufrüstung wendet und für mehr Kommunikation mit Russland votiert. Ganz unabhängig von der Qualität der Argumente, so vermuten Kinnert und Welzer, wird das Manifest auf eindeutige Ablehnung in Politik und Medien stoßen, weil der politische Diskurs nur mehr einer binären Logik folgt. Es gilt nur noch „richtig/falsch“, und die Zustimmungs- wie Ablehnungsbuttons werden gedrückt, egal wie zutreffend oder komplex eine Argumentation sein mag. Ambivalenz oder auch nur Abwägung lässt die Diskurskultur nicht mehr zu. Wie aber soll ohne Ambivalenzfähigkeit Demokratie funktionieren?

Juni 2025: Propaganda und Ideologie – Auf TikTok gibt es eine Auseinandersetzung zwischen jenen, die der Auffassung sind, auf Propaganda nicht hereinzufallen, und jenen, die das für naiv halten. Kinnert und Welzer kommen vom Begriff der Propaganda auf den der Ideologie, und halten es für viel relevanter, was auf der normativen Ebene an Beeinflussung stattfindet – etwa wenn Ideale der Optimierung, der Leistungsbereitschaft, der Beseitigung aller Unzulänglichkeiten das individuelle Leben bestimmen. Das Leben selbst als defizitär zu definieren, ist die Kernideologie des Silicon Valley und als solche selbst lebensfeindlich.

Juni 2025: Empathie kann auch eine Falle sein – In tiefgreifenden Umbruchprozessen kann Empathie eine Falle sein. Nämlich dann, wenn man sich und seinem Umfeld im wechselseitigen Einverständnis versichert, dass eigentlich noch alles beim Alten sei. Wunschdenken aber blockiert den notwendigen Realismus in der Wahrnehmung von Problemen und führt möglicherweise zu den falschen Schlussfolgerungen. Kinnert und Welzer diskutieren das vor dem Hintergrund des globalen Bedeutungsverlustes des Westens.

Mai 2025: Ist Bürokratie eigentlich böse? – Ausgehend von der Antrittsrede des ersten bundesdeutschen Digitalministers sprechen Kinnert und Welzer über das Phänomen, dass regelmäßig Begriffe in die öffentliche Debatte kommen, die in allgemeiner Übereinstimmung verwendet werden, ohne dass auch nur einmal ihr Sinn hinterfragt würde. So können sich aktuell alle hinter dem Ziel vereinen, „Bürokratie“ abzubauen, obwohl Bürokratie zum Beispiel auch den Sinn hat, Einzelfallgerechtigkeit herzustellen oder das Einhalten von Auflagen bei Unternehmen zu kontrollieren. Aber es könnte sein, dass „Bürokratieabbau“ eines von vielen U-Boot-Wörtern ist, bei denen etwas anderes intendiert ist als gesagt wird: der gute Bürokratieabbau könnte auch böse Entstaatlichung bedeuten.

Mai 2025: Spill over from USA – Deutsche Unternehmen bekommen derzeit „blaue Briefe“ von der US-Administration, mit denen sie aufgefordert werden, ihre Diversitäts- und Gleichstellungsstandards aufzugeben und etwa gruppenspezifische Förderprogramme einzustellen. Tun sie das nicht, ergeben sich daraus Beschränkungen der Geschäftsbeziehungen. Das betrifft nicht nur Großkonzerne, sondern zum Beispiel auch Anwaltskanzleien oder Agenturen. Die meisten von ihnen werden, sofern sie ansonsten einen Teil ihres Umsatzes verlieren, der Aufforderung nachkommen, was erhebliche Rückschritte in Bezug auf Minderheitenrechte bedeutet. Auch auf diese Weise schwappen antidemokratische und antimenschenrechtliche politische Maßnahmen aus den USA nach Europa, das ohnehin eine Kulturrevolution von rechts zu verzeichnen hat. Kinnert und Welzer sprechen über die Folgen und über Gegenstrategien.

Mai 2025: Kabinett und Kulturkampf – Kinnert und Welzer besprechen das Ergebnis der Regierungsbildung und finden einerseits die Berufung von Ministerinnen und Ministern etwa aus der Wirtschaft prinzipiell begrüßenswert, weil sie nicht dem Schema der „üblichen Verdächtigen“ entspricht. Andererseits deutet sich aber auch personell eine Intensivierung des Kulturkampfs gegen linksgrün an, die angesichts der Entwicklung, wie sie aus den USA herüberzuschwappen droht, als ungut erscheint. Sind wir auf dem Weg in eine Art Gegenmoderne?

Mai 2025: Wie die Demokratie für sich werben kann – Das Gutachten des Verfassungsschutzes, das die AfD als rechtsextrem einstuft, hat – sofern des Bestand haben wird – erhebliche Folgen für die Finanzierung der Partei und auch für die berufliche Zukunft nicht weniger Parteimitglieder. Kinnert und Welzer diskutieren das auch vor dem Hintergrund der Frage eines möglichen Parteiverbots, meinen aber, dass die Politik die Wichtigkeit der Arbeit von Institutionen wie eben dem Verfassungsschutz für die Demokratie viel deutlicher herausstellen sollte, anstatt nur in den wie üblich verteilten Rollen Statements dazu abzugeben.

April 2025: Kinnert und Welzer gedenken des Papstes – Franziskus war ein anderer Papst als seine Vorgänger, jemand, der ein hohes Maß an persönlicher Glaubwürdigkeit und Authenizität verkörperte. Was er auch in seinem Auftreten, mit seiner Dienstwohnung, seinem kleinen Auto und seiner Nahbarkeit verkörperte, war ein anderes Bild des Oberhaupts der Katholischen Kirche, als man es bis dato kannte. Dieser Papst war dicht an den virulenten Problemen der Gegenwart und er hatte keine vorgestanzten Antworten darauf.

April 2025: Nicht Verwirrtheit, sondern Täuschung – Die Trommelfeuer von Dekreten und Maßnahmen des Trump-Regimes nehmen nicht ab. Kinnert und Welzer sprechen über einen bislang noch nicht wahrgenommenen Aspekt der Kommunikation vom Typ Trump oder Musk: Wenn etwas – wie die Zölle – die Aufmerksamkeit komplett bannt, lenkt das wie bei Zaubertricks womöglich vom eigentlichen, viel wichtigeren Geschehen ab, etwa vom rasanten Abbau der amerikanischen Demokratie.

April 2025: Kontraintuitiv – Der tiefgreifende gesellschaftliche Veränderungsprozess, den wir gerade erleben, verkörpert sich auch in der offenbar wachsenden Abkoppelung superreicher Menschen vom großen Rest der gewöhnlichen Welt. Zugleich wird deutlich, wie sehr der Takt der Ereignisse und ihre disruptive Rhythmik immer schneller werden. Kinnert und Welzer kommen zu dem Schluss, dass man – kontrainitutiv – das Gegenteil von dem machen muss: langsamer, nachhaltiger, bedachter werden und auch politisch entsprechende Formate suchen. Nur so kann man der fatalen Entwicklung etwas entgegensetzen.

April 2025: Koordinierte Gesprächsbereitschaft – Der Mainzer Historiker Andreas Rödder fordert von seiner Partei, der CDU, eine Abkehr vom Konzept der Brandmauer und stattdessen eine „koordinierte Gesprächsbereitschaft“, auch mit Parteien wie BSW, Linke und AfD. Kinnert und Welzer teilen nicht Rödders Begründungen, sehen aber das Problem, dass statt des politischen Wettbewerbs gerade unter schwierigen Mehrheitsverhältnissen zunehmend eine Verengung der politischen Inhalte und eine Kultur der Lagerbildung zu verzeichnen ist.

April 2025: Landnahmen – Ein unkontrollierter und ungezähmter Kapitalismus verfolgt das Ziel der Landnahme: Immer weitere Ressourcen werden erschlossen, immer größere Teile der Welt ausgebeutet. Nach zwei Jahrhunderten der auf das Außen gerichteten Landnahme erfolgt nun die Kolonisierung der Innenwelten durch die Internetkonzerne, zugleich erobert die libertäre Ideologie immer mehr politischen Raum. Kinnert und Welzer finden das sehr bedenklich.

März 2025: Haben wir eigentlich noch etwas anderes als Geld? – Angesichts der spektakulären Schuldenbeschlüsse des alten Bundestags für die neue Regierung diskutieren Kinnert und Welzer, dass dahinter nicht nur eine heftige Generationenungerechtigkeit verborgen ist, sondern sich wieder einmal zeigt, dass Geld an die Stelle langfristiger und nachhaltiger Strukturpolitik tritt. Anstatt Visionen für die Gestaltung der Demokratie der Zukunft zu ventilieren, steigert man das Bestehende.

März 2025: Institutionen und Medien – Die Arbeit von Institutionen wie zum Beispiel der Polizei wird durch die Medien erschwert, die sich in ihrer Dauererregung auf „Fälle“ stürzen, deren Tatumstände oft noch gar nicht geklärt sind. Bevor die Institutionen selbst sachhaltig darstellen können, was überhaupt der Fall ist, wird schon skandalisiert und nach Schuldigen gesucht. Das führt zur Verunsicherung in der Bevölkerung und ist schädlich für die Demokratie. Kinnert und Welzer wünschen sich sehr, dass Medien und Politik sich daran erinnern, dass ihre Aufgabe nicht die Hysterisierung der Bürgerinnen und Bürger ist.

März 2025: Die jungen Männer und ihre politische Ohnmacht – Analysen zeigen, dass junge Männer deutlicher zum rechten Rand tendieren als junge Frauen. Kinnert und Welzer überlegen, was dafür die Gründe sein können und kommen dann auf die Konjunktur von Orientierungen zu sprechen, die eher in Richtung Militarisierung, Kriegstüchtigkeit usw. tendieren, was einer männlich geprägten Gewaltkultur entgegenkommt.

Februar 2025: Die Wahl zeigt Gutes – Kinnert und Welzer werten das Wahlergebnis aus und kommen zu dem Schluss, dass sie die Mehrheit der Wählerinnen und Wähler nicht hat hysterisieren lassen – weder durch das von den Parteien und den Medien hochgejazzte Migrationsthema noch durch thematische Scheinpolarisierungen. Positiv ist auch die Aussicht, dass eine schnelle Regierungsbildung erfolgen kann, was für eine rasche und entschiedene Politik Europas angesichts der neuen Ära Trump äußerst wichtig ist. Vielleicht wird Friedrich Merz am Ende ja noch ein großer Europäer …

Februar 2025: Europa sucht sich selbst (und wird nicht fündig) – Vor dem Hintergrund des Staccatos der Meldungen und Maßnahmen von Seiten der Trump-Administration wundern sich Kinnert und Welzer über das offenbar Unvorbereitetsein der europäischen Politik auf ein mögliches Ende des Transatlantismus. Sie vermissen Szenarien, mit deren Hilfe man sich hätte vorbereiten können auf alle mögliche Äußerungen des Trumpismus, ebenso wie Strategien, die Europa auch in dieser Situation zusammenzuhalten versprechen. Der traurige Befund: Die europäische Politik gleicht einem Hühnerhof, nachdem der Fuchs da war.

Februar 2025: Vernachlässigung von Begriffen, Verweigerung von Orientierung – Angesichts der Zuspitzung des Wahlkampfs auf das alles dominierende Thema Migration sprechen Kinnert und Welzer darüber, welche Versäumnisse in den vergangenen Jahren politisch und kulturell dadurch entstanden sind, dass man Begriffe wie Heimat oder auch Leitkultur nie von einer intellektuell anspruchsvollen kritischen Seite her definiert und besetzt hat, so dass man gerade in einer Einwanderungsgesellschaft proaktiv damit auch den Zuwandernden Orientierung geben könnte, wenn sie mit der Forderung nach Integration konfrontiert sind.

Januar 2025: Ereignisdichte und Ratlosigkeit – Es geschieht sehr viel Unerwartetes in hoher Schlagzahl – vom Tabubruch der CDU bis zu den täglichen Aufkündigungen jeglicher Konvention durch Donald Trump und seine Follower. Die Folge ist fatal, weil man in der Deutung nicht mehr hinterherkommt und ziemlich ratlos auf die Frage schaut, wie sich das alles, was die Grundfesten unserer Gesellschaft bildet, weiterhin noch sichern lässt.

Januar 2025: Demokratie braucht ein Resilienz-Handbuch – Kinnert und Welzer tauschen ihre Eindrücke zum Amtsantritt des 47. Präsidenten der Vereinigten Staaten aus, sind sehr beunruhigt, was die weitere Entwicklung angeht und halten es für sinnvoll, aus den Entwicklungen in Amerika so viel zu lernen, dass man eine Art Handbuch für europäische Länder oder besser noch für Europa insgesamt anfertigen kann, mit dessen Hilfe man die Demokratie wirksam schützen kann.

Januar 2025: Zeitenwende rückwärts – Kinnert und Welzer machen sich auch 2025 wieder Gedanken über die Welt und diagnostizieren an der Epochenschwelle eine Rechtsverschiebung der Gesellschaften, die in einem dynamischen Prozess beschleunigt voranschreitet. Denn die Welt die Zeitenwende in einer Art Rolle rückwärts vom Zukunftsversprechen hin zur Perspektivlosigkeit. Die Kulturrevolution von rechtsaußen greift um sich. Als Lösung denken Kinnert und Welzer über einen Rückzug in eine Art „Verschweizerung“ Deutschlands als vielleicht letzte Bastion liberaler Freiheit und Modernität inmitten rechtsnationaler, neo-autoritärer Nachbarn.

Dezember 2024: Frohe Weihnachten – Kinnert und Welzer ziehen ein Resümee zum Jahresende, das leider nicht positiv ausfällt. Besonders der Stil der politischen Kommunikation und das Fehlen wechselseitiger Wertschätzung der politischen Wettbewerber macht Sorge, zumal die Wahl Donald Trumps zum amerikanischen Präsidenten gezeigt hat, dass man mit Lügen, haltlosen Angriffen und radikaler Konkurrenz erfolgreich sein kann. Kinnert und Welzer wünschen sich, dass der Wahlkampf in Deutschland ein Beispiel von politischem Anstand wird.

Dezember 2024: Syrien – Was bedeutet der Sturz eines Diktators? – Die Situation nach Assads Sturz ist eine der begreiflichen Freude aller Syrerinnen und Syrer, die unter der brutalen Diktatur gelitten haben. Anstatt sich mit ihnen zu freuen und sich daran zu erinnern, dass auch Deutsche die Befreiung von Diktaturen als historische Erfahrung haben, ging unmittelbar ein unwürdiges Schauspiel los, in dem sich Politikerinnen und Politiker umstandslos mit Forderungen nach Abschiebung und Rückführung der syrischen Geflüchteten übertrafen. Kinnert und Welzer halten das für ein Symptom des rapiden Niedergangs von politischer Kultur. Und menschlich deprimierend.

Dezember 2024: Merkel soll abschwören, aber Lindner sendet auf allen Kanälen – Seit vielen Jahren fordert man in der Medienlandschaft, die ehemalige Kanzlerin Angela Merkel möge den Fehler bekennen, eine falsche Politik gegenüber Russland verfolgt zu haben. Merkel sagt aber, sie habe nach dem damaligen Kenntnisstand gehandelt und würde es logischerweise mit demselben Kenntnisstand heute ebenso machen – eine Einlassung, die viele intellektuell offensichtlich überfordert. Die Vorwürfe Merkel gegenüber stehen im merkwürdigen Kontrast zum medialen Umgang mit dem FDP-Parteivorsitzenden, der sich staatspolitisch kaum verantwortungsvoll verhalten hat und verhält, aber trotzdem überall eingeladen wird, also nach wie vor große Bühnen für seine Rechtfertigung bekommt. Kinnert und Welzer finden das seltsam.

Dezember 2024: Die Kolonialisierung der Innenwelt – Der Kapitalismus hatte lange Zeit die Außenwelt als Ressource – Rohstoffe aus Böden, Wäldern und Gewässern, um daraus Produkte zu machen. Mit digitalen Technologien ist aber längst eine andere Stufe erreicht, die Kolonialisierung der Innenwelten der Menschen. Unsere Daten sind die Ressourcen, aus den punktgenaue Angebote gewonnen werden, die in perfekter Redundanz an uns gerichtet werden. Der immer perfekter ausgebeutete Mensch ist ein perfektes Objekt für die Optimierungindustrie, in der man lernt, achtsam, fit und komplett selbstüberwacht zu leben.

November 2024: Für und wider TikTok – Welzer weiß, zum ersten Mal in seinem Leben, Positives über TikTok zu berichten. Daraufhin diskutieren Kinnert und Welzer über die grundsätzliche Perfidie der Algorithmen sozialer Netzwerke, aber auch über die Möglichkeiten, solche Medien gegen die zugrundeliegenden Geschäftsinteressen zu nutzen. Jedes Medium kann gegen sich verwendet werden.

November 2024: Den Staat verschlanken – Elon Musk wird einen Job in der amerikanischen Administration bekommen und soll den Staat „effizienter“ machen. Unter libertären Voraussetzungen wird das vor allem bedeuten, die Institutionen der Demokratie zu schwächen. Dabei ist die Idee einer größeren Effizienz des Verwaltungshandelns gut – aber, so fragen sich Kinnert und Welzer, wie könnte das gehen, ohne die Kultur des liberalen Rechtsstaats selbst zu beschädigen?

November 2024: Die Wiederkehr von Krieg und Gewalt und die Kürze des Gedächtnisses – Es ist der Tag der US-Wahl. Zugleich ist es der 103. Geburtstag der Holocaust-Überlebenden Margot Friedländer. Kinnert und Welzer sprechen über die immensen Gefahren, die mit dem Ergebnis der Wahlen in Amerika einhergehen und der wachsenden Gefahr von Krieg, Gewalt und Faschismus in der Welt. Und darüber, wie kurz das Generationengedächtnis ist, weil die lebendige Erinnerung an Krieg und Gewalt abgerissen ist.

November 2024: Was macht die Jugend laut Forschung – Die gerade veröffentlichte Shell-Jugendstudie zeichnet ein beruhigendes Bild über die politischen Orientierungen junger Menschen – interessiert sind sie, aber zu extremen Positionen neigen sie nicht. Da die Wahlergebnisse der Europawahl und der letzten Landtagswahlen ein anderes Bild zeigen, diskutieren Kinnert und Welzer über die Grenzen der Sozialforschung, über soziales Wunschdenken und über die Dynamik des Wandels von Einstellungen.

November 2024: Kultur und Demokratie (Teil 2) – Es sieht stark danach aus, als würden den Sparzwängen in den öffentlich rechtlichen Sendern vor allem Kulturprogramme und mit 3sat womöglich ein ganzer kulturgeprägter Sender zum Opfer fallen. Kinnert und Welzer diskutieren über den Auftrag des Öffentlich-Rechtlichen-Rundfunks und heben seine Bedeutung für eine lebendige Demokratie hervor. Vor allem scheint wenig einleuchtend, dass für Sportübertragungen einerseits und austauschbare Krimi-Dutzendware andererseits viel Geld ausgegeben wird, während gerade das, was private Anbieter nicht vorhalten können und wollen, das Geld gekürzt wird. Die Ratio dahinter scheint schwer identfizierbar, gerade in Zeiten des informationellen Overkills und der unsortierten Erregungsangebote der Direktmedien.

Oktober 2024: Kultur und Demokratie (Teil 1) – Kinnert berichtet über ihre Erfahrungen in einer Kunst- und Kulturpreisjury, wo ihr auffällt, dass nach einer Ära der „großen“ Themen wie Black Lives Matter oder Me Too sich viele Einreichungen nunmehr mit konkreten Interventionen vor Ort beschäftigten und auf lokale Problemlagen antworten. Das führt zu der Frage, inwieweit staatliche Kulturförderung solche Tendenzen unterstützen könnte und überdies zu einer Hervorhebung der Rolle, die Kultur für die Demokratie spielt.

Oktober 2024: Spezial: Live mit Andreas Zick von der Frankfurter Buchmesse 2024 – phoenix ist mit dem wöchentlichen Podcast „Denken mit Kinnert und Welzer“ erneut zu Gast auf der Frankfurter Buchmesse 2024. Diesen Auftritt bestreiten Diana Kinnert und Harald Welzer mit einem besonderen Gast. Der Sozialpsychologe Andreas Zick wird mit den beiden die Verschiebung der politischen Tektonik analysieren.

Oktober 2024: Müssen die etablierten Parteien disruptiver gegenüber sich selbst werden? – Nach den vergangenen vier Wahlen muss konstatiert werden, dass die etablierten Parteien kein Mittel gefunden haben, den Aufstieg des Populismus zu bremsen. Die Empfehlung des CDU-Ministerpräsidenten von Sachsen, Michael Kretschmer, bei der Brandenburg-Wahl die SPD zu wählen, stieß bei Vielen auf starkes Befremden. Kinnert und Welzer diskutieren, ob nicht grundsätzlich eine Überprüfung bisheriger Prinzipien von Parteidisziplin und Programmatik nötig ist, wenn auf die populistische Herausforderung eine erfolgversprechende Antwort gefunden werden soll.

Oktober 2024: Neustart oder Personalwechsel? Werden die Grünen wieder eine politische Kraft? – Die grüne Partei hat mit dem Rücktritt des Parteivorstands eine Konsequenz aus ihren katastrophalen Wahlergebnissen gezogen. Die Frage ist, ob der Partei nun ein Neustart gelingt, oder ob nur das Personal wechselt. Am Beispiel der Person der zurückgetretenen Ricarda Lang diskutieren Kinnert und Welzer, welcher Typus von Politikerin zukunftsfähig sein könnte.

September 2024: Die Gefährdung durch die sozialen Medien – Eine Analyse der aktuellen Aktivitäten des IS durch den Terrorismusforscher Peter Neumann kommt zu dem Schluss, dass die Attentäter immer jünger werden und sich in den sozialen Netzwerken radikalisieren. Das verweist einmal mehr darauf, welche negativen Wirkungen von TikTok & Co auf freiheitliche Gesellschaften ausgehen. Kinnert und Welzer diskutieren über den politischen Umgang mit den Plattformen, die auch durchaus Verbote einschließen sollten.

September 2024: Wer angibt, verwirrt sich selbst – Kinnert hat den Verdacht, dass sie neuerdings zum Angeben neige. Es stellt sich aber im weiteren Verlauf des Gesprächs heraus, dass sie einem aufgeklärt daherkommenden Moralismus Irritation entgegensetzen möchte, indem sie auf Teile ihres Lebensstils verweist, die moralistisch betrachtet fragwürdig sind. Der Zeitgeist weht aber ohnehin in eine andere als die ökologisch zukunftsfähige Richtung, so dass die aufgeklärte Position der Gegenwart nicht im Moralismus, sondern möglicherweise in einer Ästhetik des guten Lebens liegen könnte.

September 2024: Vergemeinschaftung – Die Gefahr der sozialen Ansteckung – Rapide Wandlungsprozesse in einer Gesellschaft verändern die soziale Ordnung. Immer mehr Menschen können mit den Dynamiken dieses Wandels nicht mehr Schritt halten und suchen nach verlässlichen Ankerpunkten um einer Vereinsamung zu entgehen. Oft bieten sich ihnen da soziale Verbünde an, die mit althergebrachten Denkmustern vertraut erscheinen und der drohenden Vereinsamung eine Vergemeinschaftung entgegenstellen. Das ist die Chance des Populismus.

Juni 2024: Gleich und gleich gesellt sich gern – Eine plurale Gesellschaft definiert sich durch den Unterschied. Diversität zeichnet sie aus und der Austausch zwischen den unterschiedlichen Milieus, das Zusammenwirken in einem dann schlussendlich gemeinsamen, sozialen Raum, bildet das Fundament liberaler Demokratien. Soweit die Theorie. Aber findet der Austausch zwischen unterschiedlichen Milieus noch statt oder führen die gegenseitigen Vorurteile längst zu sozialer Verkapselung? Definiert jede Gruppe für sich ihre „safe places“ und grenzt sich dadurch selbst ab? Sind wir gefangen in Klischeebildern, die durch die „Filterblasen“ der sozialen Medien noch verstärkt werden? Ist das digitale Versprechen einer zusammenrückenden Gesellschaft und Öffentlichkeit längst gebrochen? Kinnert und Welzer fragen: Ist sozialer Zusammenhalt nur analog möglich?

Juni 2024: Nachhaltigkeit – Ein Prinzip neu denken – Wenn wir die Zukunft unseres Planeten global denken, dreht sich dabei vieles um einen zentralen Begriff – Nachhaltigkeit. Die Frage ist nur, was verstehen wir darunter? Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung beschreibt es so: „Nachhaltigkeit oder nachhaltige Entwicklung bedeutet, die Bedürfnisse der Gegenwart so zu befriedigen, dass die Möglichkeiten zukünftiger Generationen nicht eingeschränkt werden.“ Kinnert und Welzer hinterfragen das etablierte Begriffsverständnis der Nachhaltigkeit, das suggeriert, Nachhaltigkeit sei eine Frage von Technik und Innovation. Nachhaltigkeit bezieht sich aber auf das ganze Leben und schließt ästhetische Fragen ein. Bräuchte es also für mehr Akzeptanz nicht eine intrinsischen statt eine funktionalistischen Herleitung der Nachhaltigkeit?

Juni 2024: Rechtsruck in Europa – Gesellschaften am Kipppunkt – Europa hat gewählt und es ist eingetreten, was viele befürchtet hatten – rechtsextreme Parteien sind vielerorts in der EU die Gewinner der Wahl. Ein Ergebnis, das schmerzhaft, aber eben auch erwartbar war. Einigermaßen überraschend, der Zuspruch einer bestimmten Wählergruppe für die AfD in Deutschland – der Jungen. Kinnert und Welzer hinterfragen speziell dieses Einzelergebnis. Was treibt junge Menschen dazu rechtsextrem zu wählen? Ist es eine Diskursverschiebung oder ist es die Hybris weiter Teile des politischen Feldes, die zur Entfremdung gerade junger Menschen mit dem System führt? Verkennen wir noch immer die Dimension des Problems?

Juni 2024: Der „Ja-aber-Journalismus“ – Abgetretene Politikerinnen und Politiker machen sich rar, entziehen sich der Gegenwartspolitik und der Öffentlichkeit. Jüngstes Beispiel: Angela Merkel. Oft ist dann von Respekt gegenüber den Nachfolgern oder dem demokratischen Prinzip die Rede. Doch sind es immer diese hehren Gründe, die die selbstauferlegte Abstinenz erklären? Kinnert und Welzer suchen nach weiteren Motiven und diagnostizieren mindestens einen weiteren Grund, den „Ja, aber-Journalismus“, der umfangreichen Darlegungen komplexer Zusammenhänge keinen Raum mehr gibt, dem die Geduld fehlt, auf das Argument einzugehen, ja dem schlicht das Interesse an der Sache fehlt. Menschen die nicht mehr gewählt werden wollen oder müssen, entziehen sich einer solchen Form des verkürzten, medialen Diskurses, der im Grunde gar keiner mehr ist. Stattdessen schreiben sie lieber dicke Bücher, in denen nicht jeder Gedanke unterbrochen wird, durch ein „ja, aber“.

Mai 2024: Zufluchtsort Verfassung – Mit viel Pathos gedenken wir dieser Tage unserer noch jungen Verfassungstradition, gedenken wir dem Grundgesetz, das inzwischen 75 Jahre Garant einer stabilen Demokratie ist. In Zeiten, da die freiheitliche Gesellschaft und mit ihr die Demokratie weltweit unter Druck gerät, ein wichtiger Befund: In 75 Jahren wuchs sich kein politisches Problem, keine internationale Krise je zu einer Staatskrise aus. Das Fundament Grundgesetz sicherte das Gebäude der Demokratie. Die Verfassung wurde zum sicheren Ort der Gesellschaft. Kinnert und Welzer hinterfragen den Befund und blicken in die Zukunft des Verfassungsstaates. Was waren die Stabilitätsfaktoren des Grundgesetzes? Wie viel Veränderung verträgt oder braucht eine Verfassung?

Mai 2024: Gewalt – Der Blick hinter die Mauer – Wieder einmal erschüttern Gewalttaten Politik und Gesellschaft. Der tätliche Angriff auf Wahlkämpferinnen und Wahlkämpfer löst Bestürzung und Fassungslosigkeit gleichermaßen aus. Wieder äußert sich diese Bestürzung in einer Art „Erschrockenheits-Rhetorik“. Kinnert und Welzer hinterfragen den öffentlichen Diskurs. Wie reflexartig ist die neuerliche Gewaltdebatte? Warum gelingt es uns nicht, die systemische Gewalt der Antidemokraten dauerhaft sichtbar zu halten? Warum mißlingt uns der Blick hinter die „Brandmauer“ zur Gewalt?

Mai 2024: Disruption – Chance oder Risiko? – Die Geschichte der Menschheit ist geprägt von Veränderung. Seit Jahrtausenden befinden wir uns auf dem Pfad der Vervollkommnung – zumindest denken wir das. Auf dem Weg dorthin unterlaufen uns Fehler. Wir entwickeln Massenvernichtungswaffen oder führen die Erde durch eine klimaschädliche Lebensweise an den Rand der Unbewohnbarkeit. Innovationen oder gar sogenannte „Sprungerfindungen“ sind, wie man sieht, nicht immer gut. Nun also die neueste „Sprungerfindung“, die eine „Disruption“ unserer Wirtschaft und Gesellschaft zur Folge hat. Die Digitale Revolution durch KI bringt vollkommen neue Geschäftsmodelle und verändert damit auch unsere Gesellschaft. Kinnert und Welzer diskutieren Chancen und Risiken der aktuellen Disruption. Was bedeutet es, wenn die wichtigste Ressource der Gegenwart – Daten – im Geschäftsinteresse monopolisiert wird? Fehlt dem Disruptiven das Soziale?

Mai 2024: Kinder ihrer Zeit – Was definiert eine Generation? Ist es der Geburtsjahrgang oder sind es Epochenereignisse, die als gemeinsamer Erlebnishintergrund eine Generation prägen? Es macht eben einen Unterschied ob wir in Krieg oder Frieden leben, ob wir eine intakte Umwelt vorfinden oder von Naturkatastrophen heimgesucht werden und ob wir uns über einen Arbeitsprozess definieren müssen oder ob wir unsere Welt durch Displays gefiltert wahrnehmen. Aber Generationen entstehen erst im Nachhinein. Kinnert und Welzer hinterfragen unseren Generationenbegriff. Verstehen wir was die Generationen ausmacht? Und was sie mit welchen Folgen unterscheidet?

April 2024: Schecks und Dekadenz – Die Angst vor einer zweiten Präsidentschaft Donald Trumps geht um und wie beim ersten Mal hoffen die Verfechter der liberalen Demokratie auf deren Selbstheilungskräfte. Doch schaut und hört man in den Weiten des ländlichen Amerikas genauer hin, verdeutlicht sich das System Trump, werden die Mechanismen des Populismus klar erkennbar und steigt die Sorge, die „Checks and Balances“ könnten versagen. Denn die Menschen bevorzugen scheinbar einfache Inhalte und setzen auf klare Personalisierung. Amerikaner, die einen Corona-Hilfsscheck, unterschrieben vom Retter-Trump erhalten haben, fragen nicht nach dessen dekadenter Lebensweise, sondern rechnen ihm die Hilfe persönlich zu. So funktioniert Populismus.

März 2024: Dark Patterns, Dunkle Muster – Unser aller Leben ist digitalisiert, die alte lineare Lebensführung fast schon Nostalgie. Neue Gesetzmäßigkeiten, denen sich die menschliche Lebensform anpasst, oder soll man sagen unterwirft, definieren ein neues Zeitalter. Kinnert und Welzer analysieren die Rolle des menschlichen Faktors im digitalen System und kommen an einem Stück Kulturpessimismus nicht vorbei. Sie diagnostizieren eine neue Entfremdung des Menschen in einem hyperfunktionalen System, das die Funktionalisierung des Menschen auf die Spitze treibt. Die Frage: Können wir unsere Entsubjektivierung als Urteilsfähige, autonome Subjekte noch aufhalten, die in letzter Konsequenz jede demokratische Ordnung erodieren ließe?

März 2024: Streik um Streik – Das Streikrecht ist zweifelsfrei ein hohes Gut. Durch Streik verleihen Gewerkschaften ihren Forderungen in Tarifauseinandersetzungen mit Arbeitgebern Nachdruck und verschaffen ihren Anliegen öffentliche Beachtung. Es liegt aber auch im Wesen eines Streiks, dass Gruppen unserer Gesellschaft als Leidtragende in die jeweiligen Tarifauseinandersetzungen hineingezogen werden. Wird, wie im aktuellen Fall durch die GdL, die Bahn, die öffentliche Verkehrsinfrastruktur bestreikt, ist die Gruppe der Betroffenen besonders groß – im Grunde sind wir es alle. In diesem Sinne werden Partikularinteressen auf Kosten der Gemeinschaft durchgesetzt. Ein Blick in die deutsche Streikgeschichte zeigt, das Verständnis, die Solidarität mit den Streikenden ist hierzulande durchaus ausgeprägt, auch weil spätestens in Schlichtungsverfahren der Weg der Verständigung eingeschlagen wurde. Kinnert und Welzer diagnostizieren hier im inzwischen sechsten GdL-Streik des aktuellen Tarifkonflikts einen Kipppunkt und befürchten darin auch eine Gefahr für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und stellen sich Fragen: Drückt der nicht enden wollende Konflikt auch eine Dysfunktionalität unseres Systems aus? Ist dieser Streik ein Beispiel für unser Scheitern an der Mikropolitik des Alltages?

März 2024: Digitalsucht – Gesellschaft auf Droge? – Grenzenloses Wissen, allzeitige Verfügbarkeit, schrankenlose Kommunikation – die Verheißungen der digitalen Welt, des „Big Data“, klingen verheißungsvoll. Doch Studien belegen: Digitales Suchtverhalten nimmt zu. Immer mehr Menschen kommen nicht mehr los von Computerspielen, Online-Shopping oder Sozialen Netzwerken. Zunehmend sind es Erwachsene, die der digitalen Droge verfallen, aber wie bei jeder Sucht, gilt auch hier, besonders gefährdet sind die Jungen, die sich im digitalen Sog eines von Algorithmen ausgeklügelten Belohnungssystem verlieren und deren Entwicklungsprozess des eigenen Gehirns einer bewussten Manipulation durch kommerzialisierte, digitale Geschäftsmodelle unterworfen wird. Kinnert und Welzer stellen die Frage aller Fragen: Fluch oder Segen? Gefährdet die digitale Sucht in letzter Konsequenz die Urteilskraft der Menschen? Sind soziale Netzwerke somit eine Gefahr für die Demokratie? Brauchen wir ein öffentlich-rechtliches Netzwerk auf europäischer Ebene?

Februar 2024: Erfahrungswerte – Alles fließt. Die Welt verändert sich fortlaufend – dabei verlaufen die Prozesse allmählich und nicht selten unbemerkt. Denken und Handeln passen sich einander an. In Umbruchsituationen jedoch ist dieses Prinzip außer Kraft gesetzt. In einer solchen befinden wir uns derzeit und sie ist allumfassend – Klimawandel, Kriege, Künstliche Intelligenz. Dinge müssen neu gedacht und neu gemacht werden. Alte Handlungsmuster versagen. Haben wir uns noch vor einer Dekade, als einer Form der Friedensdividende, von der Wehrpflicht getrennt, wird sie heute als Reaktion auf die neue militärische Bedrohung wieder heiß diskutiert. Was spricht dafür, was dagegen sie wieder einzuführen? Die Argumente sind vielschichtig. Kinnert und Welzer plädieren auch abseits ihrer militärischen Form für einen Dienst am Gemeinwohl – für einen einhergehenden Perspektivwechsel in der Biografie aller Bürger. Diese Fragen gilt es zu beantworten: Schafft ein Wechsel in andere Lebenswelten kollektive Identität? Fördert sie den Bürgergeist? Kann eine Wehrpflicht zur gewinnenden Praxiserfahrung jedes Einzelnen werden?

Februar 2024: Krieg und Frieden – Der Krieg ist zurück – real zurück in Europa. Global gesehen war er nie verschwunden. In Deutschland aber herrscht zum Glück noch immer Frieden. Die Kampflinien verlaufen anderenorts und dennoch ist der Krieg auch hier allgegenwärtig. Längst dominiert er die Nachrichtenlage. Die Politik fühlt sich aufgerufen, einer Gesellschaft, die friedensgewohnt ist, eine lange verdrängte Kriegsgefahr bewusst zu machen. Kinnert und Welzer hinterfragen die Rhetorik von Politik, Medien und Wissenschaft in diesem Prozess. Wie schmal ist der Grad zwischen Risikoaufklärung und Kriegsrhetorik?

Februar 2024: Kartenspiel – Die Diskussion ist nicht neu. Seit Jahren wird gestritten, wie denn nun umzugehen sei mit der Migration – was am Ende immer heißt: mit den Migranten. Um sogenannte Push- und Pull-Faktoren wird verbal gerungen. Fortdauernd dabei im Fokus: Die finanziellen Zuwendungen der Mehrheitsgesellschaft. Wie sollen die Zahlungen an Flüchtlinge und Asylbewerber erfolgen? Für viele, über fast alle Parteigrenzen hinweg, gilt seit einiger Zeit die „Bezahlkarte“ als Mittel der Wahl. Kinnert und Welzer hinterfragen das politische „Kartenspiel“. Wie begründet sich die unter den Parteien breiter werdende Zustimmung für den Entzug von Bargeld? Ist das Spiel mit der Bezahlkarte reine Symbolpolitik im Poker mit den Populisten?

Februar 2024: Politik im Pech – Politik ist allumfassend. Um sie zu beschreiben, zu erforschen und um sie zu verstehen, unterteilen wir sie. Dazu nutzen wir Kategorien. Macht, Konflikt, Herrschaft, Ordnung, Frieden zum Beispiel sind typische Kategorien des Politischen. Mit ihrer Hilfe konstruieren wir unser Verständnis und unsere Interpretation politischer Prozesse. Doch reichen unsere klassischen Kategorien zur Beschreibung unserer politischen Gegenwartsrealität noch aus? Stoßen wir mit unseren Denkmustern an Grenzen?

Januar 2024: Die nicht mehr schweigende Mehrheit – Es brauchte einen Funken, um das Schweigen und die Lethargie zu brechen. Es brauchte ein geleaktes Treffen rechtsradikaler Antidemokraten mit ihren völkischen Ideen und Plänen, um Demokraten auf die Straße zu bringen – in aller Breite und Masse einzustehen für Demokratie, Liberalität und Freiheit. Die Bürgergesellschaft zeigt Gesicht. Demokraten verteidigen unsere Demokratie – nicht irgendwo, nein – auf unseren Straßen. Kinnert und Welzer forschen dem Geist dieser manifesten Demonstrationen nach, die nicht als Protest mit der Attitüde des schlichten „dagegen“ daherkommen, sondern die das „dafür“ – das Einstehen für die Demokratie – betonen. Sie stellen sich die Frage: Was bewirken diese Pro-Demokratie-Demonstrationen? Besteht auch eine Gefahr der Selbstzufriedenheit der Demokraten?

Januar 2024: Marktlogische Wissenschaft – Unsere Welt läuft in einem Betriebssystem mit Regeln und Logiken. Systemadministrator dieses Betriebssystems ist die Politik. Sie gibt die Regeln vor, bestimmt den Handlungsrahmen, innerhalb dessen sich die Teile des Ganzen bewegen. Ein Teil dieses Ganzen ist auch die Wissenschaft, aber welche Folgen hat es für sie, wenn auch sie sich zunehmend an dem orientiert, was quantifizierbar ist? Kinnert und Welzer analysieren den Wissenschaftsbetrieb und werfen die Frage auf: Bestimmt die Marktlogik auch die Wissenschaft?

Januar 2024: Bauernschach – Es ist die einfachste Variante eines anspruchsvollen Spiels – das Bauernschach. In ihm sind nur Bauern auf dem Brett und jede Figur zieht wie die andere. Es herrscht Waffengleichheit, alle haben die gleichen Mittel. Im richtigen Schach ist das anders, geradeso wie in der Politik. Dort sind die Interessen und die Möglichkeiten der Spieler vielfältig und unterschiedlich. So hat es der Bauer schwer – auf dem Schachbrett ebenso wie in der Politik. Die vermeintlich stärkeren Figuren bestimmen so oft über das Schicksal des Bauern und über seinen Kopf hinweg. Dabei ist das Bild des Bauern oft unrealistisch. Es changiert zwischen Romantisierung und kultureller Herabwürdigung. Lange Jahre ging das so, doch nun wehrt sich ein Berufstand gegen ein erneutes Bauernopfer. Kinnert und Welzer hinterfragen die Proteste der Bauern. Geht es längst um mehr als um Steuerbefreiung und Agrardiesel? Steckt hinter allem ein Kulturkampf um die Landwirtschaft?

Dezember 2023: Zwischen Verheißung und Verhängnis – Jugend im Algory(i)thmus – Die Digitalisierung ist die globale Revolution unserer Zeit. Als invasives technisches System verändert sie fast alles, bis in die Selbstverhältnisse hinein. Das gilt besonders für Kinder und Jugendliche. Als sogenannte „digital natives“ einerseits technisch in die neue Welt hineingeboren, unterliegen aber gerade sie auch den Gefahren der neuen Sphäre in besonderer Weise. Inzwischen kann man das Entstehen von Abhängigkeiten beschreiben, die von den Plattformen bewusst herbeigeführt werden. Auf den neuen sozialen Straßen des Internets führt der Weg heraus aus der Einsamkeit dabei oft geradewegs in die Isolation. Kinnert und Welzer fragen sich, welche Auswirkungen die Gesetzmäßigkeiten eines Algorithmus auf den Lebensrhythmus einer Gesellschaft haben und welche Regeln es für die neuen sozialen Straßen braucht.

Dezember 2023: Kulturbetrieb – Spiel ohne Grenzen? – Die Kunst ist frei. Seit sich in Europa Nationalstaaten konstituierten und die Demokratisierung der Gesellschaften voranschritt, kennen wir die Kunstfreiheit als gesellschaftliche Norm. Doch wie frei darf Freiheit heute sein? Wo stößt die Freiheit angesichts zunehmender Feindseligkeiten an ihre Grenzen? Und ist die Kunst heute in einer Weise politisiert, die das alte Freiheitsgebot negiert? Kinnert und Welzer fragen: Unterliegt besonders der Kunstbetrieb einer Art moralisch aufgeladenem, politischen Aktivismus?

November 2023: Kleines Karo – Schwarz-Weiß-Denken im politischen Diskurs – Unsere Welt ist komplex, die Probleme in ihr vielschichtig und einfache Lösungen nahezu unmöglich.
 Dennoch neigen wir zur Simplifizierung, passen komplexe Problemstellungen einfachen Mustern an.
Kennzeichen solcher Vereinfachung ist auch eine binäre Markierung der am Diskurs beteiligten Personen. Gut oder böse, dafür oder dagegen – ein dazwischen gibt es nicht und jede Form von Hinterfragen stört nur.
 Eine Kontextualisierung einer Aussage kann nur verwirren. Kinnert und Welzer fragen sich: Kann es sein, dass wir zunehmend verlernen zu kommunizieren, weil uns trotz einer Vielzahl an digitalen Möglichkeiten die tatsächlichen Diskursräume abhanden kommen? Führt der Verlust von kollektiven Räumen zur Diskursverengung?

November 2023: Politik ist, wenn man trotzdem lacht – Wir leben in einer Zeit der Großkrisen – in Zeiten von Terror, Krieg und Zerstörung unserer Lebensgrundlagen. Die Lage ist zweifellos ernst und die Opfer all der genannten Krisen erwarten und verdienen einen ernsthaften und würdevollen Umgang mit den Problemen unserer Zeit. Gleichzeitig wissen wir auch um die Kraft einer ironischen Brechung im gesellschaftlichen Diskurs gerade im Umgang mit autoritären Systemen. Kinnert und Welzer begeben sich in das humorfreie Feld der Politik und stellen sich Fragen: Verbietet sich angesichts der Schwere der Krisen jeder Humor in der Debatte? Verschenken wir die subversive Kraft des Komischen?

November 2023: Die konfrontative Gesellschaft – Politik ohne Leitbild? – Gesellschaften brauchen einen Kitt, der sie zusammenhält, eine gemeinsame Erzählung, eine Hoffnung, ein Versprechen, vor allem ein Leitbild. Besonders in Zeiten wie diesen, in denen Großkrisen uns individuell durch ihre offensichtliche Unlösbarkeit dauerhaft belasten. Für keine der Mega-Krisen gibt es eine Lösungsperspektive und so sehen wir uns gezwungen, uns zur Stabilisierung unser selbst in eine „Bekenntniskultur“ zu flüchten. Kinnert und Welzer forschen dieser „Bekenntniskultur“ nach und fragen sich: Wohin führt ein oft geradezu messianischer Moralismus im Sinne der eigenen Überzeugung oder schlimmer noch übernommener Überzeugungen, da die eigene Urteilskraft oft schon längst aufgegeben wurde? Befinden wir uns schon auf dem Weg in eine „konfrontative Gesellschaft“, der jede Kompromissfähigkeit abhanden gekommen ist? Hat es die Politik versäumt, rote Linien für unseren gesellschaftlichen Diskurs zu definieren? Sind wir eine Gesellschaft ohne Leitbild?

Oktober 2023: Die Entdeckung der Langsamkeit – Demokratie lebt von Teilhabe, vom Engagement der Einzelnen. Viele zivilgesellschaftliche Projekte sind Ausdruck vitalen Bürgergeistes im besten Sinne. Doch sie kranken oft am Zeitgeist und am Postulat der Skalierbarkeit. Alles was wir tun, messen wir sogleich an seiner Massentauglichkeit. Kinnert und Welzer diskutieren und propagieren eigene „Gelingensbedingungen“ für bürgerschaftliches Engagement: Subsidiarität und Skalierungsverbot. Projekte im Sinne des Gemeinwohls sollten vor Ort und mit dem Mut zur Langsamkeit durchgeführt werden.

Oktober 2023: Auf der Frankfurter Buchmesse mit Ahmad Mansour – An diesem Sonntag wird phoenix mit dem wöchentlichen Podcast „Denken mit Kinnert und Welzer“ erstmals zu Gast auf der Frankfurter Buchmesse sein. Diese Premiere bestreiten Diana Kinnert und Harald Welzer mit einem ganz besonderen Gast: Der Autor und Psychologe Ahmad Mansour wird mit den beiden die verengten gesellschaftlichen Diskurse analysieren.

Oktober 2023: Juden-Hass im neuen Gewand? Der Antisemitismus der progressiven Lifestyle-Szene – Die Bilder verstören. Die Bilder ängstigen. In zahlreichen Ländern der Welt spielen sich dieser Tage progromartige Szenen ab, werden Juden verunglimpft und gejagt. Ob auf einem Flughafen in Dagestan oder an amerikanischen Universitäten, zwei Orten, die wohl unterschiedlicher nicht sein können, ein ähnliches Bild – Juden werden bedroht, offen und schamlos. Der Antisemitismus tritt offen auf. Auch in Deutschland müssen wir das dieser Tage wieder sehen, auch in den Salons, in intellektuellen Kreisen greifen antisemitische Stereotype um sich. Kinnert und Welzer fragen sich, woher das kommt und analysieren dabei insbesondere das Phänomen eines von ihnen diagnostizierten „Antisemitismus der progressiven Lifestyle-Szene“. Wie kommt es dazu, dass gut ausgebildete, liberale Köpfe alten Stereotypen folgen?

Oktober 2023: Mittelmaß – Auch wenn niemand genau weiß, was „Die Mitte“ in einer Demokratie ist, wird doch allenthalben konstatiert, dass sie schmilzt und dafür die Ränder stärker werden. Und geht es der Mitte schlecht, kommt die Demokratie in Gefahr. Neuere Untersuchungen zeigen, dass das Problem auch in der Bildung auftritt: Kinnert und Welzer gehen diesem Phänomen nach und stellen fest, dass sich im maroden Bildungssystem niemand mehr eingeladen fühlen kann. Und so schmilzt auch hier die Mitte: Eliteabsolventen von Privatschulen nehmen auf der einen Seite zu und auf der anderen Seite werden immer mehr als „Bildungsverlierer“ abgehängt. Sehr ungut für die Demokratie.

September 2023: Apocalypse now? Vom Versagen einer Langfristtransformation gegen die Gegenwartskatastrophen – Waldbrände, Flutkatastrophen und Korallensterben werden von den Klimawissenschaften im direkten Zusammenhang mit dem langfristigen Klimawandel gesehen und verlangen mehr denn je nach Sofortmaßnahmen. Doch wie können solche Maßnahmen konkret aussehen und wie gelingt es in einem auf Langfrist angelegten Diskurs, Kurzfristigkeit im Handeln zu erreichen? Kinnert und Welzer fragen sich, wie es ohne Weltuntergangsrhetorik gelingen kann, klimapolitische Prozesse zu beschleunigen?

September 2023: Die gleichförmige Gesellschaft – Die neue Angst vor der eigenen Meinung – Menschen sind soziale Wesen, streben als Individuum nach Anerkennung und gesellschaftlicher Bindung. In einer modernen, offenen Gesellschaft treffen unterschiedlichste, persönliche Lebens- und Denkentwürfe aufeinander, die die Vielfalt der Gemeinschaft ausmachen, aber eben auch als Interessen daherkommen und im Sinne der Gemeinschaft ausgeglichen werden müssen. Ein Wettstreit der Meinungen und Interessen führt so im Idealfall zum gesellschaftlichen Fortschritt. Hier liegt die Überlegenheit der demokratisch verfassten Gesellschaft gegenüber der autoritären. Doch was wird aus diesem Prozess, wenn eine tatsächliche oder auch nur vermeintliche Meinungsmehrheit einen derart starken Anpassungsdruck erzeugt, dass Minderheiten aus Angst vor gesellschaftlicher Ausgrenzung in die Meinungsgleichförmigkeit fliehen? Kinnert und Welzer diagnostizieren die Gefahr einer solchen Gleichförmigkeit, wenn besonders aus medial dominanten „Blasen“ permanente Empörung über „abseitige“ Milieus geäußert wird und warnen vor der Gefahr einer Verengung. Gesellschaftliches Ziel muss es sein, ohne Angst verschieden sein zu können, meinen Kinnert und Welzer.

Juni 2023: Casting-Show – Der Streit um die Hauptrollen in den politischen Parteien – Es ist ein Ritual der Parteiendemokratie: Die Kür der Spitzenkandidaten. Denn vor der Wahl steht die Auswahl, wer denn überhaupt zur Wahl steht. In der Parteiendemokratie obliegt das den jeweiligen Parteimitgliedern und nicht selten kommt es in diesem Prozess zur Intrige unter eigentlich Gleichgesinnten. Kinnert und Welzer stellen die Sinnfrage: Sind Personaldebatten in den Parteien tatsächlich zielführend? Schrecken sie, in der Art wie sie oft geführt werden, die Bürger ab oder vitalisieren sie erst Partei und dann Wähler?

Juni 2023: Die Wirtschaftswunder-Identität – In einer Welt im Umbruch, in der sich die Gesellschaften des globalen Nordens durch eine veränderte Altersstruktur einerseits und durch Zuwanderung andererseits verändern, stellt sich auch die Frage nach der gesellschaftlichen Identität neu. Wer wollen wir kollektiv sein? Welche gesellschaftliche Identität streben wir gemeinsam an? Fragen, die wir beantworten müssen, wenn wir Zuwanderung und Integration diskutieren. Kinnert und Welzer machen im gesellschaftlichen Diskurs um die Identität Defizite aus. Kann es sein, dass wir uns über Jahrzehnte nur über ökonomische Stärke definiert haben?

Juni 2023: Stimmungsdemokratie – Politik gegen die denkende Mehrheit? – Ein Land schwankt zwischen Wut und Resignation und droht dabei in eine gefährliche Agonie seiner Mitte zu verfallen, die der Populismus der extremen Rechten nutzt. Kinnert und Welzer suchen nach den Ursachen eines nicht neuen, aber doch aktuellen Phänomens, der „Politikverdrossenheit“ und finden ihre Ursache in der „Pseudoerregung“ der Politik, die in einer neuen Qualität der Stimmungsmache streitet und so das Einfallstor für die Populisten weit öffnet.

Juni 2023: Politik im Selbstgespräch – Perspektivlos in die Zukunft? – In einer globalisierten Welt, in der alles mit allem zusammenhängt und die Komplexität der Dinge von allen Flexibilität und Übersicht verlangt, ist die Politik gefordert, den Horizont in den Blick zu nehmen – Ziele weitsichtig zu definieren. Kinnert und Welzer analysieren politisches Handeln auf diese, vielleicht vornehmste Aufgabe der Politik und kommen zu einem ernüchternden Urteil: Politik ist oft nur getrieben, verliert sich in Einzelaktionen ohne die Dinge vernetzt zu sehen, ohne eine Leitidee zu definieren. Ja schlimmer noch, sie verliert den Kontakt zur Gesellschaft und verfällt ins Selbstgespräch.

Juni 2023: Transformation – Die neue Form des Klassenkampfes – Die Welt hat ein Problem – ein universelles, ein allumfassendes Problem, den Klimawandel. Die Erderwärmung als Phänomen des fossilen Zeitalters erscheint dabei in direktem Zusammenhang mit der Industrialisierung und damit auch mit der Entstehung der sozialen Frage im 19. und 20. Jh.. Wenn man das Problem des Klimawandels aber holistisch-ganzheitlich in seiner Entstehungsphase betrachtet, warum tut man das nicht auch in seiner Bekämpfung, in der allseits geforderten Transformation? Kinnert und Welzer fordern ein ganzheitliches, gesellschaftliches Konzept der Transformation, das Klimapolitik mit Wirtschafts-, Sozial- und Bildungspolitik vereint. Demokratie in der Transformation muss dabei klassenlos sein und alle Gruppen zur Teilnahme motivieren.

Mai 2023: Schönheit oder die Ästhetik des guten Lebens – Die Welt befindet sich im Umbruch – sowohl in einer politischen wie auch global-historischen Zeitenwende. „Transformation“ lautet da allseits das Credo. „Alles neu“, wie es einst der musikalische Alltagspoet Peter Fox besang. Doch längst nicht jede und jeder will das Neue, und viele Menschen wollen einem Rationalitätsprinzip in ihrer Lebensführung nicht folgen. Ihnen reicht eine Negativbegründung für ihr Tun und wichtiger noch ihr Lassen nicht aus. Kinnert und Welzer fragen sich, woran das liegen könnte und finden, was in der Transformationsdebatte fehlt – die Schönheit. Kann es sein, dass wir in aller Notwendigkeitsdiskussion versäumt haben, die Utopie eines schönen Lebens zu formulieren?

Mai 2023: Sprachlos in Europa – Nach dem Brexit und vielen kleineren Rückschlägen im europäischen Einigungsprozess schien ausgerechnet durch den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine die Stunde des geeinten Europas zu schlagen. Geschlossen wie selten, zeigte die EU transnationale Einheit, traten Streit über Werte in den Hintergrund und spielte die Bürokratie keine Rolle mehr. Doch hat diese tiefe Einigkeit Bestand? Gelingt es uns ohne eine existierende europäische Öffentlichkeit, über Sonntagsreden hinaus oft gelebte pro-europäische Alltagskultur in langfristige und tragfähige Leitbilder einfließen zu lassen? Kinnert und Welzer forschen diesen Fragen nach und stellen die ultimative Europa-Frage: Wie entscheiden wir uns in Europa zwischen Bindung und Zerfall?

Mai 2023: Privileg und Partizipation – Die Freiheit ist ein hohes Gut. Generationen stritten und kämpften dafür sie zu erlangen. Heute, da sie gesellschaftliche Realität geworden ist, nehmen wir sie für selbstverständlich, ja geißeln sogar manchmal ihre Früchte. Denn auch die Ungleichheit ist eine solche Frucht der Freiheit, ist sie doch das Ergebnis unterschiedlicher, individueller Entfaltung und Strebens. Im Ergebnis stehen als Ausweis von Freiheit und Ungleichheit gleichermaßen gesellschaftliche Privilegien. Kinnert und Welzer denken über die Privilegierten in unserer Gesellschaft nach. Wie geht die Gesellschaft mit ihnen um? Stimmt der Befund, dass Menschen sich zunehmend scheuen ihrer Privilegien zu zeigen? Verschenken wir als Gesellschaft wichtiges Kapital wenn wir Privilegierte aus der Partizipation in die Zurückhaltung drängen?

April 2023: Unter dem Pflaster liegt der Strand, darauf klebt der Protest? – Vornehmlich junge Menschen protestieren gegen eine aus ihrer Sicht ignorante Gegenwartspolitik, die die Lebensbedingungen der Zukunft vernichte. Die Protestler der „Letzten Generation“ nehmen dabei für sich in Anspruch für ihre Generation zu sprechen – haben aber keinerlei Mandat dafür. Umgekehrt reagieren alle anderen in der Gesellschaft vertretenen Generationen affektiv und überzogen. Ein Graben tut sich auf. Ein Riss geht durch die Gesellschaft. Die Frage stellt sich: Wie kann es gelingen dem Protest ein geeignetes Forum zu bieten, Gegenwart mit Zukunft zu versöhnen?

April 2023: Stilfragen – Unsere Welt ist geprägt von Regeln und Normen. Sie bilden die sprichwörtlichen Leitplanken unseres Zusammenlebens. Befolgt man sie, macht man objektiv nichts falsch – man kann aber auch furchtbar daneben liegen wenn man sich nur regelkonform verhält. Denn es gibt noch eine Ebene über den Regeln und Normen – die Ebene des Stils, der gesellschaftlichen Konvention, die unser Zusammenleben innerhalb des starren Regelgeflechts leitet. Wer nicht stilsicher ist riskiert aufzufallen und herauszufallen – beabsichtigt oder unbeabsichtigt. Und wer die Regeln absichtlich verletzt, macht damit immer eine Aussage über sich selbst.

April 2023: Mehr Utopie wagen – Demokratie ohne Leitbild? – Jede Zeit, jede Epoche hatte ihre spezifischen Herausforderungen, die es zu lösen galt. So gesehen kann die Geschichte der Menschheit vereinfacht als die Abfolge von Lösungen oft selbst geschaffener Problemstellungen beschrieben werden. Unterschiedliche Gesellschaftssysteme traten zur Lösung dieser Probleme miteinander in Konkurrenz. Wesensmerkmal dieser Problemstellungen – es waren Gegenwartsprobleme. Sie waren greifbar und konkret. Im Verlauf der Geschichte obsiegten im Wettstreit der Gesellschaftssysteme jene, die diese Gegenwartsprobleme durch eine Zukunftsverheißung auflösen konnten, die ein Leitbild definieren konnten, das über den Gegenwartszustand hinaus wies – Demokratien. Sie verhießen Hoffnung und gaben über ein vorgegebenes Ziel Orientierung. Heute nun ist die allgegenwärtige Bedrohung unserer Gesellschaften kein Gegenwartsproblem sondern ein Zukunftsproblem. Kinnert und Welzer denken über diese signifikante Veränderung in der Problemstellung nach und diagnostizieren eine weit verbreitete Unfähigkeit präventive Zukunftspolitik zu betreiben. Sie bemängeln eine „Kultur des Unernstes“ im Umgang mit der Gefahr des Klimawandels und fordern nicht weniger als ein neues Gesellschaftsnarrativ für die Zukunft. Sie fordern mehr Utopie zu wagen.

März 2023: Wertschätzung – Licht im Dunkel – In der Krise neigt der Mensch zur Überhöhung des Negativen. Die Welt erscheint grau, Farben verblassen. Das Positive wird unsichtbar. Das gilt individuell, wie kollektiv. Kinnert und Welzer denken über dieses allgemeine, sozialpsychologische Phänomen nach und folgen dem Denkanstoß, dass in unserer Gesellschaft in Summe das Positive das Negative überwiegt, in unserer Binnen-Wahrnehmung aber verblasst. Wollen wir es wieder erkennen, könnte es helfen Menschen zuzuhören, die von außen kamen …

März 2023: Kapitulation – Sehenden Auges in den Kontrollverlust – Ein Hype hat uns erfasst: ChatGPT – eine Software, ein maschinell von seinen Nutzern lernendes Dialogsystem, macht nun endgültig einer breiten Masse der Gesellschaft die abstrakte Größe „KI“ – künstliche Intelligenz – erfahrbar. Kinnert und Welzer hinterfragen den Hype: Welche Faszination geht von der Vorstellung aus, ein weltweites System zu schaffen, das über Wahrscheinlichkeitsrechnung, mit mathematischer Leistung, das gesamte Weltwissen verknüpft? Welcher Fortschrittsbegriff steckt dahinter, wenn so über kurz oder lang auch eine künstliche Verflachung natürlicher Intelligenz in Kauf genommen wird? Räumen wir der Technik in reinem Marktinteresse das Feld? Gewähren wir einer künstlichen Intelligenz vollständige Autonomie zu Lasten unserer individuellen Freiheiten? Kinnert und Welzer diskutieren das Phänomen KI, wohl wissend, dass auch ihre Diskussion die KI wieder ein wenig „schlauer“ machen wird.

März 2023: Konfliktscheue in der Stimmungsdemokratie – Fehlt uns der Mut zur Veränderung? – Die Krisen und Probleme der Gegenwart sind komplex und Auswege aus ihnen kompliziert. Einfache Lösungen gibt es nicht mehr. Vielmehr sind vielschichtige Ansätze und immer öfter ein ganzheitlicher Lösungsansatz gefragt. Einen solchen Ansatz auch umzusetzen ist dann aber auch mit konsequentem Handeln verbunden, das auch zu Lasten der Interessen Einzelner oder auch ganzer relevanter, gesellschaftlicher Gruppen führen kann. Politische Konflikte sind so geradezu programmiert. Sie sind das Signum unserer Zeit. Kinnert und Welzer diagnostizieren eine Konfliktscheue innerhalb aller politischer Entscheidungseben bis hinauf in die amtierende Bundesregierung. Denn allzu oft schrecke Politik aus Angst vor Zustimmumgsverlusten vor klaren Entscheidungen zurück.

Februar 2023: Augenblick mal – Wenn es Zeit für eine Entschuldigung ist – „Hinterher ist man immer schlauer.“ Was als Floskel daherkommt, muss deshalb nicht falsch sein. Entscheidend ist was man daraus lernt. Für den politischen Entscheidungsprozess vielleicht das: Kritische Selbstreflexion. Im gesellschaftlichen Prozess muss die Politik fortwährend Entscheidungen treffen. Entscheidungen, die oft Interessen abwägen müssen und dabei eben auch Menschen und Gruppen benachteiligen. In einer Zeit schwerer, multipler Krisen geschieht das oft unter enormem Druck. Die notwendige Zeit zu einer ausreichenden Reflexion des Handelns fehlt dann. So kann es dann eben auch zu Fehlentscheidungen seitens der politischen Entscheidungsträger und Fehleinschätzungen seitens einer sich im Besitz der Wahrheit wähnenden gesellschaftlichen Mehrheit kommen. Kinnert und Welzer hinterfragen im Zusammenhang mit der Corona-Krise und dem Ukraine-Krieg auch ihr eigenes Urteil und Handeln und kommen zu dem Schluss: Es ist Zeit für Entschuldigungen bei all jenen, denen durch Entscheidungen oder publizistische Kommentare Nachteile entstanden sind, die hätten vermieden werden können.

Februar 2023: Geschützt und gestützt – Subventionsbiotope – Unsere Welt ist in Bewegung. Sie dreht sich immer schneller und das Tempo ihrer Rotation kann einen schwindelig werden lassen. Jeder Einzelne ist gefordert – gefordert mit der Geschwindigkeit Schritt zu halten, sich immer und immer wieder anzupassen, sich zu verändern, sich zu hinterfragen – sich Kritik zu stellen. Kritikfähigkeit in einem derart dynamischen, gesellschaftlichen Prozess ist schwer, doch sie ist eine Grundtugend moderner Gesellschaften. Sie gilt für alle – für alle? Kinnert und Welzer diagnostizieren eine soziologische Auffälligkeit. Nimmt die Kritikfähigkeit und -willigkeit gerade dort ab, wo der Staat bezahlt? Haben wir in unserer Gesellschaft Subventionsbiotope geschaffen, die unseren gesellschaftlichen Fortschritt hemmen?

Februar 2023: Der Weltraum – Unendliche Weiten im Privatbesitz? – Der Mensch strebt seit ehedem nach Höherem. Ob er Türme in den Himmel baut, ob er Atome spaltet, immer folgt sein Streben danach Grenzen zu sprengen. Sein Wissen treibt ihn voran. Das Menschenmögliche verschiebt sich dabei fortan weiter – in unserem Jahrtausend nun in den Weltraum – einen Raum der frei zu sein scheint, der noch weitestgehend unreguliert durch irdische Gesetze, nicht nur menschlichem Forschergeist, sondern auch menschlichem Macht- und Profitstreben neue Sphären erschließt. Kinnert und Welzer fragen vor dem Hintergrund menschlicher Forschungsgeschichte nach der Lernkurve unseres Denkens und Tuns. Wiederholt die Menschheit die Fehler, die sie auf ihrem Planeten gemacht hat nun im Weltraum? Wird auch der Weltraum zur Profit- und Kampfzone macht- und profitgeleiteter Interessen?

Februar 2023: Berlin – Vom Sehnsuchtsort zum Verwahrlosungsort? – Räume prägen Menschen und Menschen prägen Räume. Die Stadt ist ein solcher Raum – sie ist Wohnraum, sie ist Arbeitsraum, sie ist Diskursraum. Kinnert und Welzer, zwei Berliner Bürger denken nach über ihre Stadt. Sie forschen dem Genius Loci Berlins vergangener Tage nach und diagnostizieren den Verfall ihrer Stadt in der Gegenwart, in der sich die die Lebenswelten der Verantwortlichen für die Stadt immer mehr von denen der Nutzer der Stadt entkoppeln.

Januar 2023: Drucksacke – Kanzler Scholz und die Leopard-Entscheidung – Olaf Scholz hat sein Ja-Wort gegeben, seine Zustimmung zu Kampfpanzerlieferungen an die Ukraine. Viele sagen – endlich. Kinnert und Welzer denken über den Prozess nach, der zu dieser Entscheidung des Kanzlers geführt hat und diagnostizieren auch eine mediale Drucksituation, die des Kanzlers Kursänderung, als die eines Getriebenen erscheinen ließe. Wie ist es zu erklären, dass eine bedachte Entscheidungsfindung über ein weitreichendes politisches Handeln als „Zögern und Zaudern“ wahrgenommen und publiziert wird, obwohl die Bevölkerungsmeinung in dieser Frage fast paritätisch geteilt ist? Was sagt der Vorgang dieser Entscheidungsfindung grundsätzlich über die politischen Prozesse in unserer repräsentativen Demokratie aus?

Januar 2023: Grüne Repräsenationslücke – Klimaprotest als Generationenkonflikt? – Bilder sagen mehr als tausend Worte. Folgt man dieser Erkenntnis, ist über den deutschen Umgang mit der jungen Klimabewegung alles gesagt. Wenn ein Bild, von der durch Polizisten weggetragenen, weltweiten Klima-Protest-Ikone Greta Thunberg, um die Welt geht, dann wird das zumindest in Kreisen der Protestbewegung als symbolhaft empfunden werden, meinen Kinnert und Welzer. Gleichzeitig trifft der vornehmlich von der Jugend getragene Klimaprotest auf eine Sprachlosigkeit, selbst in Kreisen, die bisher als politischer Arm der Bewegung gelten durften – den Grünen. Für die junge Klimaprotestbewegung sehen Kinnert und Welzer die Gefahr, in eine politische Repräsentationslücke zu fallen – mit fatalen Folgen.

Dezember 2022: Religiöse Leerstelle? Weihnachten in Zeiten der Säkularisierung – „Alle Jahre wieder“ heißt es im bekannten Weihnachtslied, „kommt das Christuskind auf die Erde nieder wo wir Menschen sind“. Alle Jahre wieder eine christliche Verheißung. Doch wie stark ist dieses christliche Selbstverständnis in Zeiten von Kirchenaustritten und erodierendem Vertrauen der Gläubigen noch in unserer Gesellschaft verwurzelt? Kinnert und Welzer fragen in der besinnlichen Zeit nach dem christlichen Weltbild in einer Gesellschaft, in der die Säkularisierung immer weiter voran schreitet. Welche Folgen hat es für eine Gesellschaft, wenn Fixpunkte und Werte verschwinden oder aufgegeben werden? Wer und was füllt die religiöse Leerstelle, die die Säkularisierung reißt?

Dezember 2022: Der 30 Prozent-Irrtum – Lässt sich die Welt in Reservaten retten? – Kommt es auf der UN-Weltnaturschutzkonferenz in Montreal zur vorgesehenen Abschlusserklärung, sollen in Zukunft 30 Prozent der Land- und Wasserflächen unter Naturschutz gestellt werden – 30 Prozent! Kinnert und Welzer fragen sich: Was bedeutet dies für die restlichen 70 Prozent? Entledigt sich die Weltgemeinschaft des Nachhaltigkeitsauftrags für unsere Welt durch die Schaffung von Naturreservaten? Welchen Begriff haben wir von unserer Welt, wenn wir nur 30 Prozent davon stützen wollen? Welches „Naturgesetz“ der Ökonomie steht einer globalen Nachhaltigkeitspolitik entgegen? Brauchen wir eine Renaissance der Gemeingüter?​

Dezember 2022: Weltgeist des Widerstands – Was verbindet die Protestbewegungen unserer Zeit? – In einer freien, pluralistischen Gesellschaft zählt er zu den Grundpfeilern der demokratisch-parlamentarischen Gesellschaftsordnung – der Protest. Er treibt Prozesse und beeinflusst als außerparlamentarische Stimme politische Entscheidungen ohne für den, der den Protest übt, Risiko oder Gefahr für Leib und Leben zu bedeuten. Ganz anders in Autokratien oder Diktaturen. Offener Protest bedeutet hier oft Haft, Folter oder gar Tod. Dennoch gibt es auch in diesen Systemen zunehmend Protest – in Belarus, im Iran, in China. Denn selbst Diktaturen können nicht vollständig herrschen, wenn die individuelle Zufriedenheit der Bürger, die die Mängel des politischen Systems übertüncht, verloren geht. Kinnert und Welzer fragen sich: Was verbindet die derzeitigen Protestbewegungen? Gibt es einen Weltgeist des Protests?​

Dezember 2022: Fußballnationalspieler – Helden in kurzen Hosen? – Die seit langem kritisierte Fußball WM in Katar läuft und langsam tritt die Kritik am Gastgeber und am Weltfussballverband FIFA in den Hintergrund. Mit rollendem Ball gerät auch die Erwartung an die Spieler in Vergessenheit, Position für Freiheitswerte beziehen zu sollen, was sowieso eine Überfrachtung der Rolle eines Spielers war und ist, wie Kinnert und Welzer konstatieren. Eines aber folgt im Urteil der beiden aber auch daraus: Für weitere Heldenepen haben sich die Spieler disqualifiziert. Als Identifikationsfiguren, als Vorbilder außerhalb ihres Berufsfeldes, dem Fußball taugen sie nicht mehr.

November 2022: Protest durch Provokation. Heiligt der Zweck die Mittel? – Sie bewerfen Kunstwerke mit Kartoffelbrei und kleben sich mit Sekundenkleber an Auto-Start- und Landebahnen fest und wollen so Aufmerksamkeit für Ihre Sache erregen, für den Kampf gegen den Klimawandel – die Aktivistinnen und Aktivisten der selbsternannten „Letzten Generation“ Sie überschreiten dabei Grenzen und übertreten Gesetze. Doch ist das a) akzeptabel und b) überhaupt zielführend? Kinnert und Welzer denken über den neuen Aktivismus nach und stellen sich und den Aktivist:innen die Frage: Schadet das Ganze vielleicht der Sache?

November 2022: Science Fiction – Science Reality – Gestern war heute Zukunft – und vieles von dem, was wir in der Vergangenheit über die technologische Zukunft dachten, ist heute eingetroffen – was die Menschheit für science fiction hielt, ist heute science reality. Schauen wir von heute 50 Jahre zurück, so erscheint uns die Gesellschaft von damals als technologiepositiv, als fortschrittgläubig, ja als zukunftspositiv, denn Technologie verhieß Fortschritt. Wie sähe aber heute eine Zukunft aus, die nicht nur eine Verlängerung derjenigen von vor 50 Jahren ist?

November 2022: Endlichkeit – das verdrängte Naturgesetz? – Der Mensch lebt im Bewusstsein der eigenen Endlichkeit. Er handelt persönlich danach, passt sein Verhalten dem Naturgesetz an. Warum aber, fragen sich Kinnert und Welzer scheint die individuelle Erkenntnis der Endlichkeit dann oft so schwer in kollektives Handeln zu münden? Warum fehlt so oft die Einsicht in die Endlichkeit der Ressourcen? Warum denken wir das Prinzip der Nachhaltigkeit – wenn überhaupt – so eindimensional? Kinnert und Welzer plädieren für eine politische Kultur der Nachhaltigkeit.

November 2022: Die Stunde der Komödianten – oder wenn Gesellschaftskritik nur noch als Klamauk daherkommt – Gesellschaftlicher Fortschritt lebt vom Diskurs und die deliberative Demokratie gründet darauf, sich öffentlich zu beratschlagen. Doch wer beratschlagt sich da heute noch? Kinnert und Welzer suchen nach den „public intellectuals“ unserer Zeit, die sich aus einer Position der Unabhängigkeit in den politischen Prozess einmischen, ihn befruchten und Lösungsansätze liefern. So sehr Kinnert und Welzer auch suchen, sie werden nur an einer Stelle fündig und diagnostizieren ein neues gesellschaftliches Gegenwartsphänomen: Die Kultur der Häme. Denn Comedians sind nach ihrem Urteil die public intellectuals unserer Zeit.

Oktober 2022: Das Sozio-Marketing-Gespenst – Sind wir alle nur noch Zielgruppe? – In der Welt der Wirtschaft ist es eine Art Grundgesetz. Wer Produkte oder Dienstleistungen erfolgreich am Markt etablieren will, muss seine Kunden und deren Bedürfnisse kennen. Er muss festlegen, wen er erreichen will, Zielgruppen definieren. Auch Kinnert und Welzer kennen diese Marktmechanik. Doch was sie sich fragen: Sind die Instrumentarien der Ökonomie auf Gemeinschaftsgüter – auf Bildung, Kunst, Kultur und Information übertragbar? Leistet ein  Sozio-Marketing, das Zielgruppen auch für diese genannten Güter definiert, nicht einer fortschreitenden Fragmentierung einer Gesellschaft Vorschub? Verspielt man so leichtfertig sogar das integrative Potenzial der genannten Güter?

Oktober 2022: Tschüss, adé, auf wiedersehen – Seit Jahren wird in Deutschland latent und in Schüben sehr akut das Thema Migration diskutiert. Dabei stellt sich ein ganzes Land die Frage nach dem Selbstverständnis: Wollen wir ein Einwanderungsland sein? Wollen wir durch Migration dem demographischen Wandel in unser Gesellschaft trotzen? Doch während wir uns scheinbar unablässig diese Frage stellen, übersehen wir vor lauter Einwanderungsdebatten ein anderes, zunehmendes Phänomen – die Auswanderer. Denn längst nicht alle, die in unserer Gesellschaft leben dürfen, wollen es noch länger. Kinnert und Welzer fragen sich: Worin liegt die Lust am Auswandern? Was zieht die Menschen in die Ferne?

Oktober 2022: Im Wahrnehmungsschatten: Armut in einer Wohlstandsgesellschaft unter Druck – Die Angst geht um in unserer Gesellschaft – Eine galoppierende Inflation getrieben durch explodierende Energiepreise nährt eine Existenzangst, die längst die breite Mittelschicht ergriffen hat. Die Politik ist alarmiert und betont ihre Sorge um die „hart arbeitende Mitte“. Doch was bedeuten Abstiegsängste und soziale Unsicherheit für diejenigen in unserer Gesellschaft die schon seit längerer Zeit an der Armutsgrenze oder darunter leben? Wirft die aktuelle Krise ein Licht auf die Probleme dieser gesellschaftlichen Gruppe, die weiter wächst oder rückt sie sie weiter in den Schatten unserer Wahrnehmung?

Oktober 2022: Rechtsruck in Rom – pars pro toto für Europa? – Italien hat gewählt und sich mehrheitlich für einen rechten Block entschieden. Eine Wahlentscheidung, über die sich nicht nur Kinnert und Welzer ihre Gedanken machen. Ganz Europa ist wieder alarmiert und wiegelt doch ab. Diese Entscheidung der Wähler eines der Gründungsmitglieder der EU sei zwar einerseits bedenklich, anderseits aber auch vielleicht nur ein Warnschuss und selbstverständlich als Ergebnis einer demokratischen Wahl zu respektieren. Kinnert und Welzer fragen sich was hinter einer derart dialektischen Analyse des Wahlergebnisses in zwei unterschiedliche Denkrichtungen, stecken könnte. Nimmt die europäische Elite zu wenig Notiz von dem, was sich vielerorts in Europa an Skepsis äußert? Wird die Gefahr eines Abgleitens in populistische und extremistische Lager kleingeredet? Steht Italien pars pro toto – für einen sich verstärkenden Trend in Europa?

September 2022: Anthropozän – Das Zeitalter der Dummheit – Wissenschaft bringt der Menschheit Erkenntnis und liefert Denkanstöße – soweit das Ideal. Kinnert und Welzer nehmen einen solchen Denkanstoß auf und denken ihrerseits über den Wissenschaftsbetrieb nach. Genauer gesagt über die junge Disziplin der Geo-Anthropologie. Sie fragen nach 50 Jahren Öko- und Umweltbewegung nach dem Einfluß des Wissens auf das Handeln und ziehen eine ernüchternde Bilanz. Nie in der Menschheitsgeschichte gab es derart viel Wissen, das aber gesellschaftlich und praktisch ungenutzt und unbeachtet blieb, während sich gleichzeitig ein Wissenschaftsbetrieb in Hybris und Nabelschau verlor.

September 2022: Royaler Glanz – Die Sehnsucht nach Verlässlichkeit – Zum Tode der Queen machen sich auch Kinnert und Welzer ihre Gedanken. Was macht den Reiz einer Monarchie im 21. Jahrhundert aus? Oder besser noch: Welchen Mehrwert könnte sie für eine moderne, liberale Gesellschaft haben? Im Gedankenexperiment spielen Kinnert und Welzer royale Macht als Metainstanz in einer individualisierten Gesellschaft durch, die als Bindeglied zwischen Generationen und Milieus fungiert.

September 2022: Fluchtpunkt Vergangenheit – Seit Anbeginn der Geschichte streben die Menschen nach Glück. Naturbedingt ist dieses Streben auf die Zukunft gerichtet, dort liegt der Fluchtpunkt aus der Gegenwart – dort liegt der „Fluchtpunkt Zukunft“ Kinnert und Welzer denken in ihrem ersten Podcast nach einem langen, heißen Sommer über den Lauf der Zeit nach. Was bewirkt ein gesamtgesellschaftlicher Dauerkrisenmodus, genährt aus Virus, Krieg und Klimawandel, im Lebensgefühl einer Generation, die diese Erfahrung in ihrer individuellen, wie kollektiven Prägezeit erlebt und erleidet? Was wenn der Ort der Zukunftsverheißung nicht mehr in Utopia sondern Dystopia liegt? Was wenn aus der Zukunftsverheißung eine Vergangenheitssehnsucht wird?

Juli 2022: Dominante Minderheit – Neue Dogmen in der Geschlechter-Debatte? – Wenig gesellschaftliche Räume sind so klar als Diskursraum definiert wie der der Universität. Hier sollen durch freies Denken, garantiert durch die Wissenschaftsfreiheit, intellektuelle Impulse entstehen. Sprech- und Denkverbote, gerade an diesem Ort unterminieren die freie Gesellschaft. Geschieht dies dann doch, stellt sich die Frage: Wie konnte das geschehen? Kinnert und Welzer fragen in ihrer letzten Podcast-Folge vor der Sommerpause danach und wollen herausfinden wie es zum diagnostizierten Meinungsdogmatismus einer Minderheit kommen konnte.

Juli 2022: Gipfeldiplomatie – Nur ein archaisches Relikt? – In Zeiten multipler internationaler Krisen ist eine koordinierte Politik verbündeter Staaten und Gesellschaften unerlässlich. Krieg und Klimawandel verlangen nach abgestimmtem Handeln. Aber braucht es dazu inszenierte Treffen, die in Pomp und Gloria abgehalten werden – koste es was es wolle? ​

Juni 2022: Das Documenta-Drama – Nur ein Beispiel organisierter Verantwortungslosigkeit – Kunst soll unabhängig sein, Kunst soll rebellisch sein, Kunst soll Motor gesellschaftlichen Fortschritts sein. Aber auch die Freiheit der Kunst hat Grenzen. Eine davon ist ganz sicher hierzulande die Grenze zum Antisemitismus, der zwar beklagenswerter Weise wohl zu unserer gesellschaftlichen Realität gehört, zu unserer Kultur aber gehört er sicher nicht mehr. Zurecht ist er gebannt. Das müssen Kulturschaffende wie Kulturmanager wissen und sich danach verhalten, also künstlerische Positionen auswählen, die sich der Ambivalenz eines westlichen Kulturmodells in globalisierten Zeiten stellen. Wenn man es sich aber einfach macht und die Aufgabe umgeht, indem man einfach jemand aus dem „globalen Süden“ engagiert, kriegt man genau die Probleme, die jetzt die Documenta scheitern lassen. Man sieht, meinen Kinnert und Welzer, dass man Verantwortung nicht „outsourcen“ kann.

Juni 2022: Das umgekehrte Verursacherprinzip – Dienstpflichten nur für junge Bürger? – Der Bundespräsident hat einen Denkanstoß gegeben. Junge Bürger sollen in eine Dienstpflicht genommen werden und so Verantwortung für die Gesellschaft übernehmen. Ein Ansatz den Kinnert und Welzer zumindest in einem Punkt kritisch sehen: Warum nur die Jungen? Ist im 21. Jh,. dem Zeitalter des lebenslangen Lernens nicht auch lebenslange Verantwortung und Beteiligung „lebensalterlos“ denkbar? Müsste nicht gerade eine Dienstpflicht mindestens so gedacht werden, Abschottungen zwischen den Generationen aufzulösen statt sie zu vertiefen?

Juni 2022: Diskursmächte – Opfer- und Täterperspektiven im Emanzipationskampf – Jahrzehnte war der Emanzipationskampf um Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau ein Kampf in einem binären Geschlechter-System. Rollen und Muster waren klar verteilt. Heute nun ist dieser Kampf komplizierter und für große Teile der Gesellschaft verwirrender geworden. Denn es gibt das biologistische System der zwei Geschlechter nicht mehr. Wie also führt man den Emanzipationskampf der Geschlechter weiter, wenn es Streit um den Begriff des Geschlechts an sich gibt?

Juni 2022: Das grüne Kreuz – Verliert die CDU/CSU den Glauben? – Es gab Zeiten in der bundesrepublikanischen Geschichte, da ähnelte die Besucherschaft eines Katholikentages der eines Parteitages der CDU oder CSU. Diese Zeiten scheinen vorbei zu sein. Vielmehr zeigt sich eine große Nähe zwischen der Gefolgschaft der Grünen und den Gläubigen. Woran liegt das? Wie kam es zu der neuen Nähe zwischen grün-ökologischem Politikansatz und dem Glauben? Zeigt sich da nur die schon immer in einem Teil der grünen Klientel angelegte wertkonservative Ader, die die Bewahrung der Schöpfung zum Ziel hatte oder geht diese Allianz strukturell tiefer und wird sie breiter?

Mai 2022: Standpunkt versus Standpunkt – Das Schweigen der Bürger – Die liberale Demokratie in einer pluralistischen Gesellschaft lebt vom gesellschaftlichen Dialog, vom Austausch der Argumente. Ort dieses Austauschs ist der öffentliche Raum und Mittel sind die Medien in (auf) dieser modernen Agora. Doch mit zunehmender, medialer Ausweitung dieses öffentlichen Diskursraumes wird der Austausch nicht breiter. Die Gesetzmäßigkeiten der neuen Medien scheinen ihn eher zu verengen. Standpunkte werden eingenommen und verteidigt aber seltener diskutiert. Der gesellschaftliche Diskussionsprozess wird statisch und immer mehr Bürger ziehen sich zurück.

Mai 2022: Kollateralschäden? Was der Krieg vernichtet – Die schrecklichste Folge eines Krieges sind die menschlichen Opfer. Die angegriffene Ukraine trägt dieses Opfer und erleidet furchtbarsten Schaden der weit in die Zukunft der ukrainischen Gesellschaft wirken wird. Darüber hinaus aber gibt es auch Zerstörungen, die wir heute im Augenschein all des menschlichen Leids nur bedingt beachten – die Schäden an Kulturgütern und die Umweltschäden. Schnell spricht man hier von Kollateralschäden – ungewollten Schäden. Aber darf man diese Klassifizierung überhaupt vornehmen? Sind diese Schäden tatsächlich „ungewollt“?

Mai 2022: Geplatzter Überlebens-(T)raum Zwischenstaatlichkeit – Wie der Neo-Nationalismus die Weltordnung zerstört – Nationalismus und Imperialismus, die Geißeln des 19. und 20. Jahrhunderts feiern mit Putins Krieg unheilige Auferstehung und bringen das Bild- die Utopie – der „Einen-Welt“ zum Wanken. In der Retrospektive zeigt sich dabei das Versagen der Staaten darin, ein zwischenstaatliches Gewaltmonopol zu etablieren, das Kriege verhindert und in der Perspektive müssen wir erkennen, dass auch über Grenzen gehende Kommunikationstechniken, in die wir so große Hoffnungen projizieren oft nicht helfen, nationalen Chauvinismus einzudämmen – ja vielleicht sogar kontraproduktiv eingesetzt werden und wirken.

Mai 2022: Zögern als Ausdruck von Haltung – Ein neuer Blick auf ein verkanntes Phänomen – In der letzten Woche beschließt der Deutsche Bundestag mit großer Mehrheit, nun doch auch schwere Waffen in die Ukraine zu liefern. Der Druck vor allem auf den Bundeskanzler hatte sich in den vorangegangenen Tagen deutlich erhöht. Gleichzeitig wurde Olaf Scholz aus unterschiedlichen politischen und medialen Kreisen vor allem Unentschlossenheit, Zögern und Zaudern vorgeworfen. Dass aber gerade das Zögern als politische Haltung, auch in diesem konkreten Fall, nicht nur von Vorteil, sondern sogar von maßgeblicher Bedeutung sein könnte, darüber denken Kinnert und Welzer nach.

April 2022: Twitter-Gewitter – Schlechte Aussichten für die Meinungsfreiheit – Elon Musk, der reichste Mann der Welt will demnächst das Sagen haben und das im wahrsten Sinne des Wortes, denn er hat einer der einflussreichsten Meinungs- und Informationsplattformen ein – zumindest in finanzieller Hinsicht – höchst ansehnliches Übernahmeangebot gemacht. Dieser Vorstoß wirft allerdings grundsätzliche Fragen zum Thema Meinungsfreiheit und deren unterschiedliche Auslegung auf. Aber ganz alternativlos wären wir auch nicht, denken Kinnert und Welzer.

April 2022: Gute Geflüchtete/Schlechte Geflüchtete? – Neue politische Herausforderungen – Der Krieg in der Ukraine löst eine regelrechte Auswechslung politischer Prioritäten aus. Statt um nachhaltige Klimapolitik geht es nun vorrangig um Sicherheitspolitik; die Energiefrage wird neuerdings zur Versorgungs- bzw. Beschaffungsfrage. Was diese Entwicklung für gesamtgesellschaftliche Modernisierungsprozesse im Allgemeinen bedeutet, darüber diskutieren Kinnert und Welzer.

März 2022: Verlierer des Ukraine-Krieges – Gesellschaftliche Modernisierungsprozesse in Gefahr – Der Krieg in der Ukraine löst eine regelrechte Auswechslung politischer Prioritäten aus. Statt um nachhaltige Klimapolitik geht es nun vorrangig um Sicherheitspolitik; die Energiefrage wird neuerdings zur Versorgungs- bzw. Beschaffungsfrage. Was diese Entwicklung für gesamtgesellschaftliche Modernisierungsprozesse im Allgemeinen bedeutet, darüber diskutieren Kinnert und Welzer.

März 2022: Vorsicht vor zu großer Emotionalisierung – Welche Gefahren bergen Direktmedien im Politikkontext? – In der vergangenen Woche hält der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj eine Rede im Deutschen Bundestag. Er wird live per Videoschalte direkt in die Parlamentsdebatte hineingeschaltet. Eine derartige Direktheit stehe exemplarisch für einen geradezu paradigmatischen Kurswechsel innerhalb der politischen Kommunikation. Was diese Entwicklung für politische Entscheidungsprozesse bedeuten könnte, darüber denken Kinnert und Welzer nach.

März 2022: Europa auf dem Prüfstand. Wenn Zeit zum entscheidenden Faktor wird – Mit dem Ausbruch des Krieges in der Ukraine steht die Idee und die erlebbare Erfahrung eines großen zivilisatorischen Fortschritts auf dem Spiel: Das europäische Friedensprojekt. Der aktuelle Rückgriff auf eine heroische Kriegserzählung, die vor allem den Nationalismus in vielfältiger Weise in den Vordergrund rückt, steht in krassem Widerspruch. Doch warum wird nun mit Teilen unserer europäischen Werte gebrochen? Wo bleiben die kritischen Stimmen, die sich abseits des militaristisch-nationalistischen Narratives zu Wort melden? Und was sagt es über unsere Gegenwart aus, wenn Essentialisierungstendenzen zu absurden Ausgrenzungsprozessen gegenüber allem Russischen führen?, fragen sich Kinnert und Welzer und kommen zu dem Schluss, dass unter einem erhöhten politischen Handlungsdruck Zeit an sich – die Zeit zur Reflexion und zur kritischen Auseinandersetzung zum maßgeblichen Entscheidungskriterium politischer Handlungen werden sollte.

März 2022: Energieembargo gegen Russland. Frieren für den Frieden? – Der Westen hat sich in seltener Einigkeit auf Wirtschaftssanktionen gegen Russland geeinigt. Nur im Bereich der Energieimporte gehen die Meinungen auseinander, denn Europa hängt am Tropf russischen Gases und Öls. Gesucht wird ein Weg aus der Energieabhängigkeit. Ein Möglichkeit wird dabei gar nicht oder zu wenig diskutiert – der Weg des Energiesparens. Liegt es nicht nahe, einem Mangelzustand an Energie durch Energiesparen zu begegnen? Sind wir also nur nicht bereit aus unserer Komfortzone zu gehen? Oder ist das zu einfach gedacht? Kinnert und Welzer diskutieren über verkürzte Denk- und Handlungsprozesse in der Krise.

März 2022: Krieg in der Ukraine. Wenn alle dasselbe denken – Die politischen Reaktionen auf den Krieg in der Ukraine sind im Westen erstaunlich einheitlich und entschlossen. Auch wenn das vor dem Hintergrund der sonstigen Vielstimmigkeit und Langsamkeit ein starkes Zeichen ist und für die notwendige Solidarität mit den Menschen in der Ukraine steht, kann gerade darin auch ein Eskalationsfaktor liegen. Wenn alle dasselbe denken, wächst die Gefahr, die Absichten des Feindes falsch einzuschätzen und unbedacht zu reagieren. Dissens dagegen ist gerade dann hilfreich, wenn Fehlentscheidungen Folgen haben, die sich nicht mehr korrigieren lassen. Was die Sozialpsychologie als group think beschreibt, ist gerade in Gewaltkonflikten mit ihren ganz eigenen Dynamiken ein gefährliches Phänomen.

Februar 2022: Der Ukraine-Konflikt – Ausdruck verheerender Dynamiken? – Noch ist die Kriegsgefahr in Europa nicht gebannt und dennoch gilt bereits, was für die meisten kriegerischen Konflikte und gewaltsamen Auseinandersetzungen gilt: Zeiten des Krieges sind Zeiten der Lüge. Was hier sprachlich bereits nach historischer Verwandtschaft klingt, wird in der konkreten Analyse von Kinnert und Welzer immer deutlicher: Eine strukturelle, rhetorische und habituelle Nähe zum ersten Weltkrieg. Der Chor der Eskalation stimmt sich auf höchster politischer Ebene (wieder) ein, dem Publikum bleibt im Wechselspiel der politischen Kommunikation nur die Wahl zwischen Nicht-Wissen und wieder Nicht-Wissen. Ist der Ausgang der Konfliktdynamiken also programmiert? Vielleicht gibt es so etwas, wie einen kleinen Hoffnungsschimmer …

Februar 2022: Aussichtsloser Protest mit Eskalationsgefahr – An der Autobahnauffahrt klebt ein Mensch fest. So absurd dieses Bild erscheinen mag, stellt es doch den ernst gemeinten, wenngleich verzweifelten Versuch einer Gruppe von jungen Aktivist:innen da, ihren Unmut über die aktuelle Klimapolitik kundzutun. Sie argumentieren, sie seien die letzten Einsatzkräfte der Weltrettung, was logisch jede Form weiterer Eskalation rechtfertigt. In einer Flughöhe, in der hier auf die Welt und ihre vermeintliche Rettung geblickt wird, verschwinden die konkreten Handlungsmöglichkeiten aus dem Blick und dann geht es um Alles oder Nichts. Solcher Protest ist zum Scheitern verurteilt und führt gerade darum in weitere Radikalisierung. Kinnert und Welzer sehen Parallelen zu anderen Protestbewegungen, die sich weiter und weiter von der Vernunft entfernen.

Februar 2022: Olympia in Peking – wie weiterspielen? – Diese Woche starten die 24. Olympischen Winterspiele in Peking. In der chinesischen Hauptstadt fällt zwar kein Schnee, aber weder dieser Umstand noch die Tatsache, dass im autoritär geführten Staat die UN-Menschenrechte systematisch missachtet werden, spielten beim IOC-Entscheidungsprozess über den Austragungsort offenbar eine Rolle. Wie kann in dieser Gemengelange, in der der ursprüngliche olympische Gedanke nur in seiner Abwesenheit glänzt, ein verantwortungsvoller Umgang im medialen, sportlichen und politischen (Spiel-)Feld aussehen? Kinnert und Welzer entwerfen zwei potentielle Szenarien, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Januar 2022: Voyeurismus-Formate im Fernsehen – Braucht die Welt das? – Das Dschungel-Camp sorgte in dieser Woche vor allem in den sozialen Netzwerken für viel Reaktion. Grund hierfür ist eine rassistische Äußerung vor laufender Kamera gewesen. Dass die besagte Person jedoch selbst seit Jahren rassistischen Zuschreibungen seitens der Medien ausgesetzt ist, stellt jedoch leider nur ein kleines, unreflektiertes Detail in einem viel größeren Problemkomplex dar, der hier genauer unter die Lupe genommen wird. Am Ende steht fest: Kinnert und Welzer sind sich in ihrer abschließenden Beurteilung, was die Rolle und die Funktion von voyeuristischen Fernsehformaten betrifft, nicht ganz einig.

Januar 2022: Versäumte Selbstkontrolle? Entgrenzungsphänomene der Alltagskultur – Eine Fernsehabenderfahrung bildet für Kinnert und Welzer den Ausgangspunkt zu einer kritischen Auseinandersetzung mit unserer gegenwärtigen Alltagskultur: Ob repräsentierte Gewaltdarstellung im Fernsehen, oder bereits real gewordener Gewalt gegenüber gewissen Berufsgruppen, Verrohung im Sprachgebrauch – auch und vor allem im Politikbetrieb, ob Fragmentierung öffentlicher, aber auch privater Kommunikation in diversen Echokammern, all diese Zustände und Prozesse deuten auf das Phänomen einer entgrenzten Alltagskultur hin, welches uns künftig noch sehr beschäftigen wird, meinen Kinnert und Welzer.

Januar 2022: Dichtung und Wahrheit – Poesie für’s Hohe Haus? – Januar 2022. Es soll eine neue Stelle geschaffen werden im Deutschen Bundestag, nämlich die eines oder einer Parlamentspoet:in, so lautet zumindest der Vorschlag der neuen Grünen-Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt. Es geht darum, politische Kommunikationsprozesse, Fachjargon und verklausulierte Sprachirrungen in sinnlichere Sprachwelten zu übersetzen, andere Wahrnehmungsmöglichkeiten der politischen (Alltags-)Kultur zu schaffen, und damit neue Bezüge zwischen Parlament und Souverän herzustellen. Doch ist dieses Vorhaben auch wirklich sinnvoll – vor allem vor dem Hintergrund der anhaltenden Corona-Pandemie? Darüber denken Kinnert und Welzer nach.

Dezember 2021: Generation Raute – Deutschland 2021 auf Weltniveau? – Es ist seit einiger Zeit Mode, Altersklassen, ja Generationen unter einem bestimmten Begriff oder einen speziellen Namen zusammenzufassen. So kennen wir die Generationen Golf, X, Y usw.​.Mit Ausklang des Jahres 2021 nun könnte eine „neue Generation“ dazugekommen sein – die „Generation Raute“. Diana Kinnert, früh politisiert und heute dreißigjährig blickt auf ihr Leben als Jugendliche und junge Erwachsene ausschließlich auf eine Zeit der Kanzlerin Merkel zurück. Sie, das CDU-Mitglied, kennt Politik nur als Regierungspartei deren Signum eben die Raute war. Was aber bedeutet das für den Einzelnen, für eine Partei, für eine Gesellschaft, wenn Strukturen derart verfestigt erscheinen? Wie kann ein Aufbruch, wie kann Fortschritt aus einer derartigen Starre gelingen?

Dezember 2021: Kreative Architektur – Bauanleitung für eine sozial-ökologische Transformation – Gesellschaftlicher, sozialer und ökologischer Umbau ist nicht nur möglich, sondern in Anbetracht von globalem Klimawandel und Ressourcenknappheit dringend erforderlich. Kinnert und Welzer loten exemplarisch einige Professionen und Milieus mit hohem Transformations-Potential aus, und begeben sich auf die Suche nach ihren inneren Bauplänen: Kreativität, die Lust am Spiel, der Bruch mit einer vorherrschenden industriellen Logik, interdisziplinärer Austausch, all das könnten konkrete methodische Voraussetzungen sein, um aus einem systemischen Denken und Handeln auszubrechen, das bei der Bewältigung von schwerwiegenden sozialen und ökologischen Problemen bisher immer an sich selbst gescheitert ist.

Dezember 2021: Pandemiesurfer – Von Welle zu Welle grüßt das Murmeltier – Im Vergleich zu anderen westeuropäischen Ländern ist die Impfquote nicht nur in Deutschland, sondern im gesamten deutschsprachigen Raum, weiterhin sehr niedrig. Kinnert und Welzer diskutieren die Gründe, wie kulturelle Angst-Narrative, historisch gewachsene Wissenschaftsfeindlichkeit, die Mühen des Föderalismus – kommen aber immer wieder an den Punkt, dass Führung und Politik Impfkampagnen auch entsprechend hätten konzipieren können, dass äußere Umstände weniger wiegen, dass jede Corona-Welle ein Murmeltiertag sei.

Dezember 2021: Die Kanzlerin dankt ab – Was bleibt von der Ära Merkel? – Nach sechzehn Jahren wird Angela Merkel demnächst aus ihrem Amt als Bundeskanzlerin ausscheiden. Was wird oder was könnte ihr politisches Vermächtnis sein? Zwischen Modernisierungsleistungen auf nationalem und internationalem Parkett und klimapolitischen Versäumnissen ziehen Kinnert und Welzer ihre persönliche Bilanz der Ära Merkel. Dabei werden auch ganz individuell-biografische Berührungspunkte der beiden Beobachter:Innen erkennbar.

November 2021: Zeit der Zauderer und Zweifler – Deutschland in der vierten Corona-Welle – Die vierte Welle der Corona-Pandemie hat die Gesellschaft fest im Griff und offenbart erneut Defizite politischer Führung. Kinnert und Welzer diagnostizieren eine politische Kultur des Zauderns, die Vertrauen verspiele und Zweiflern Raum biete.​ Bemerkenswert sei eine Bewegung, die Zweifler unterschiedlichster Couleur zu einer Art Gegenaufklärung zusammenführe, so Kinnert und Welzer in ihrem aktuellen Podcast.

November 2021: Der Migrationskonflikt mit Belarus – Vertagte, verpasste, verantwortungslose Krisenbewältigung – An der polnischen EU-Außengrenze zu Belarus stranden seit mehreren Wochen Menschen, die in völlig inakzeptablen humanitären Verhältnissen dort hinter Zäunen verharren müssen. Sie werden durch das belarusische Regime von Alexander Lukaschenko instrumentalisiert und zum Spielball in einem besonders perfiden „Ping-Pong-Abschlagabtausch“ zwischen der EU und dem belarusischen Machthaber gemacht. Ein Ende des Konflikts ist nicht in Sicht. Das offenbart ein chronisches Problem in Bezug auf den politischen Umgang mit aktuellen Konfliktfeldern, wie Kinnert und Welzer in einer vergleichenden Analyse verdeutlichen: In einer politischen Kultur der Verantwortungslosigkeit, in der die Angst vor einer möglichen Haftbarkeit dominiert, wird es schwer, nachhaltige Problemlösungen zu entwickeln. Genau das aber bietet Diktatoren die Chance für Erpressungsversuche.

November 2021: Lösungsplattform UN-Klimakonferenz? – Von der (Des-)Illusion eines Perpetuum Mobiles – Alles dreht sich, alles bewegt sich, sollte man meinen, aber von der derzeit in Glasgow stattfindenden Welt-Klimakonferenz ist (wieder mal!) keine größere Bewegung in Sachen verbindliche Klimaschutz-Vereinbarungen zu erwarten. Zwar gibt es intensive Anstrengungen durch Teilnehmer:innen und Expert:innen aus den „hinteren Reihen“, das globale Problem der Erderwärmung in den Griff zu bekommen, doch es hakt an den unterschiedlichsten Stellen. Kinnert und Welzer ziehen ihre ganz eigene Bilanz: Die Konferenzen zeigen in ihren wiederholt unzureichenden Ergebnissen vor allem, dass sie selbst Teil des Problems sind, aber auf andere Weise wieder Teil der Problembewältigung werden könnten. Es ist höchste Zeit das Format Konferenz an sich, und die ritualisierten, scheinbar von vornherein durchchoreografierten politischen Verhandlungsstrategien zu überdenken. Vielleicht bietet dieser Denkansatz mehr Bewegungsspiel.

November 2021: Der Fluch der guten Tat – Wenn Solidarisierung dem Falschen nutzt – Eine bedrohte Person verdient Schutz, Beistand und damit die Solidarität der Gemeinschaft. Darüber darf es keinen Dissens geben. Kinnert und Welzer analysieren die Debatte um einen konkreten Fall, der sich im Rahmen der diesjährigen Frankfurter Buchmesse ereignet hat, und suchen exemplarisch Antworten auf die allgemeinen Fragen: Was, wenn die öffentliche Solidarisierung nicht dem Opfer nützt, sondern dem Täter? Wenn das allzu oft in einem fatalen Automatismus und unter medialem Zeitdruck ausgedrückte Bekenntnis ungewollt dem Falschen, die von ihm angestrebte Prominenz verleiht? Sollte unter diesem Gesichtspunkt das Bekenntnis Dritter zum Opfer unterbleiben?

Oktober 2021: Milieufrage – Die Mitte in der Identitätskrise? – Soziolog:innen und Meinungsforscher:innen unterteilen unsere Gesellschaften in verschiedene Milieus. Zielgenau will man das Gruppenbild erfassen, abbilden, um darauf politisch oder ökonomisch reagieren zu können. Was aber wenn das Gruppenbild – das Selbstverständnis der Gruppe abhandenkommt? Was wenn sich eine ganze Gruppe selbst zu verlieren scheint? Kinnert und Welzer spüren dem möglichen Identitätsverlust der Mitte nach, und erkennen im Erodieren dieser tragenden Gesellschaftsschicht in letzter Konsequenz auch etwas Demokratiegefährdendes.

Oktober 2021: Der gelöste Zielkonflikt – Wenn Klimaschutz und wirtschaftlicher Erfolg eins werden – Lange galt der Konflikt zwischen Ökonomie und Ökologie als unlösbar, doch nun gibt es Hoffnung. Führende Unternehmen der deutschen Wirtschaft schlagen neue Töne an: Sie fordern die Politik zu umweltgerechtem Handeln auf und legen einen 100-Tage-Plan für die neue Regierung vor. Für Kinnert und Welzer mehr als ein Hoffnungsschimmer. Vollzieht sich da gerade ein Paradigmenwechsel? Zeigt die Wirtschaft der Politik, wie man aus festgefahrenen Denkschemata herausfinden kann?

Oktober 2021: Stairway to Heaven – Was wird aus dem gesellschaftlichen Aufstiegsversprechen? – Es ist schon Einiges im Begriff des „sozialen Aufstiegs“ selbst angelegt, das es zu hinterfragen lohnt – es drängt sich unwillkürlich das differenzierende Sprachbild „unten“ vs. „oben“ auf und deutlicher könnte ein Gesellschaftsmodell der Hierarchisierung und des damit verbundenen sozialen Unterschieds kaum ausgedrückt werden. Warum ist es bis heute den politischen Entscheidungsträger:innen nicht nur nicht gelungen, Maßnahmen zu ergreifen, die eine nachhaltige Chancen- und Bildungsgerechtigkeit in Deutschland quer durch alle sozialen Milieus ermöglichen? Warum zeichnet sich zudem deutlich ab, dass die aktuelle Sozialpolitik weit hinter den Programmatiken der 1960er und 1970er Jahre zurückbleibt? Zwischen persönlichen Erfahrungen der Entfremdung gegenüber der eigenen Familie und größeren kulturellen und sozial-historischen Verschiebungen kritisieren Kinnert und Welzer die Missstände und Versäumnisse an vielleicht einem der empfindsamsten Punkte gesellschaftlichen Zusammenlebens.​

Oktober 2021: Zukunftsmusik – Welche Stimmfarben bestimmen den Regierungsdreiklang? – Vergangenen Sonntag hat die Republik gewählt. Doch was nun genau das Wahlergebnis bedeutet und konkret welches Regierungsmandat daraus abgeleitet werden kann, darüber diskutieren Kinnert und Welzer – und sind gar nicht einer Meinung. Während Welzer ein klares Votum für ein „Weiter so“ aus der Stimme des Wählers heraushört, richtet Kinnert den Fokus stärker auf die Jungwähler:innen, deren deutlich vernehmlicher Ton vor allem einem von der FDP und den Grünen orchestrierten Politikkurs des Aufbruchs ​gilt. Es scheint also nicht so, als dominiere eine Kakophonie der Beliebigkeit, im Gegenteil: Es sind eher zwei deutlich voneinander unterscheidbare Klänge wahrzunehmen – zwei deutlich antipodische Prinzipien im Politikbetrieb – Progressivität und Kontinuität, zwischen denen auch irgendwie der neu zu bildende Chor des Wahlverlierers CDU/CSU seine Stimmfarbe finden muss.

September 2021: Fernseh-Wahlkampf-Arenen – Inszenierte Spiegelbilder realer politischer Debatten? – TV-Trielle – in den Hauptrollen die drei Kanzlerkandidat:innen offenbaren mehr Fehleinschätzungen, Verkalkulierungen und Hybris, als es den Macher:innen wahrscheinlich lieb gewesen ist. In einer Art Inszenierungsanalyse durchschreiten Kinnert und Welzer die Zeichensysteme Bühne, Dramaturgie und Performanz ebensolcher Wahlkampformate und kommen zu der Einschätzung, dass gesellschaftsrelevanter Sinn und Bedeutung dieser Form der Aufführung abhandengekommen zu sein scheint. Diese Wahlkampf-Arena ist jedenfalls nicht der Ort, an dem die Rahmenbedingungen für einen lebendigen, emotionalen und ernsthaft sachpolitisch-orientierten Wettstreit gegeben sind – eine Arena inszenierter Papiertiger, denen die Chance genommen wird zu ihrem Publikum durchzudringen.

September 2021: Warum trauen wir unseren Augen nicht, wenn in der Klimakrise Offensichtlies verdrängt wird? – Maximal 1,5° C. Es war das große Ziel der Pariser Klimakonferenz 2015. Das soll es natürlich immer noch sein, obwohl wissenschaftliche Studien bereits nahelegen, dass Deutschland, selbst mit den bereits ergriffenen Maßnahmen zur Begrenzung der Erderwärmung – beispielsweise durch die CO2-Bepreisung, seinen Teil der Vereinbarung nicht einhalten wird. Das einst erklärte Ziel ist in weite Ferne gerückt. Wie also damit umgehen? Kinnert und Welzer durchdenken den aktuellen Klimadiskurs und gehen dabei der Frage nach, wie ein Paradigmenwechsel hin zu einem echten Gestaltungsdiskurs möglich sein kann. Weder das Starren auf abstrakte Zahlen, noch die Fixierung auf allein technische Lösungen wird uns zum Politischen zurückbringen.

September 2021: Politik und Pädagogik – (mit angezogener Handbremse) Volle Kraft voraus – Wer in der Politik zukunftsorientiert neue Ideen und Transformationsprozesse vorantreiben, alternative Lösungen gesamtgesellschaftlicher Probleme auf den Weg bringen, und die Mehrheit der Gesellschaft hinter sich vereinen will, dem- oder derjenigen sei geraten neue Strategien auszuloten, um auch tatsächlich noch in diesem Jahrhundert ans Ziel zu gelangen. In diesem Punkt sind sich Kinnert und Welzer einig. Aber auf welche Mittel und Tools die politischen Akteur:innen stattdessen zurückgreifen sollten, darüber lässt sich gedankenreich streiten. Letzten Endes bedeuten authentische Transformationsbestrebungen eben immer auch, das eigene Denken und Handeln in Frage zu stellen – denn nicht selten ist die Bremskraft im Inneren zu finden.

September 2021: Das Afghanistan-Moment – Geregelte, routinierte, institutionalisierte Verantwortungslosigkeit – Wer bei den aktuellen katastrophalen Zuständen in Afghanistan an eine griechische Tragödie denkt, oder davon die Rede macht, hätte nicht weiter fehlen können. Die humane Katastrophe ist weder auf einen unabwendbaren Schicksalsschlag zurückzuführen, noch kann sie mit einer Art Naturkatastrophe verglichen werden. Kinnert und Welzer denken energisch gegen dieses rhetorische Kalkül und die dahinterstehende Haltung und Praxis der politischen Verantwortungslosigkeit an. Dabei geht es um weitaus mehr als gegenseitige Schuldzuweisungen und Fehleinschätzungen. Das Debakel in Afghanistan spiegelt das Scheitern eines gesamten, von Überhöhung gekennzeichneten, westlichen Selbstverständnisses. Das Gespräch wurde vor den Attentaten am Flughafen in Kabul und der Beendigung der Evakuierungsmission der Deutschen Bundeswehr aufgezeichnet.

Juni 2021: Zwischen Anspruch und Wirklichkeit – Alte und neue Formate der politischen Kommunikation – In der letzten Folge vor der Sommerpause und pünktlich zum Start in die heiße Phase des Bundestagswahlkampfes wagen Kinnert und Welzer einen Vergleich politischer Kommunikationsformate. Vom klassischen Wahlprogramm schlagen sie dabei den Bogen zu den neueren, digitalen Kommunikationsplattformen: Parteieigene Newsrooms, „Erklärformate“ im Unterhaltungsstil auf Streaming-Plattformen. Ergebnis der Betrachtung aus medienpolitischer Perspektive: Unabhängiger Journalismus ist unverzichtbar. Kinnert und Welzer machen hier aber nicht Schluss, sondern formulieren mögliche zeitgenössische Formate der politischen Kommunikation – jenseits der Illusion.

Juni 2021: Der Zweck heiligt nicht immer die Mittel – Verstrickungen um Artikel 3 des Grundgesetzes – Auf den ersten Blick erweisen sich die eingebrachten Änderungsvorschläge in Bezug auf den Antidiskriminierungsartikel, beispielsweise wenn es darum geht, einige der im Grundgesetz verankerten, unzeitgemäßen Begriffe ganz zu streichen, oder zumindest umzuformulieren, als vollkommen nachvollziehbar und notwendig. Aber Vorsicht! Hier tun sich ungewollt Stolperfallen auf. Kinnert und Welzer legen in ihrem Denkprozess einen präziseren, zweiten Blick frei und prüfen dabei die Sinnhaftigkeit einer Verfassungsreform.

Juni 2021: Wanted: Wählerschaft (m/w/d) mit historischem Klassenbewusstsein – Eine politische Bewegung auf der Suche nach der verlorenen Zeit – Irgendwas stimmt bei dieser „Ausschreibung“ ganz offensichtlich nicht, denn wer soll sich bei diesem Aufruf angesprochen fühlen? Die Gründer:innen eines jungen Startup-Unternehmens? Alleinerziehende im Home-Office? Die Facharbeiter:innen bei Volkswagen und Co.? Akademiker:innen ohne Aussicht auf eine Festanstellung? Nicht nur die Ergebnisse der letzten Landtagswahl in Sachsen-Anhalt setzen ein dickes, fettes Ausrufezeichen hinter eine Tatsache, die schon lange Zeit offensichtlich ist: Das, was Klassische Linke Theorie sowie deren Übersetzung in die politische Praxis einst unter einen programmatischen Hut bekommen hat, ist nur noch als ein schwaches Echo einer lang vergangenen Zeit wahrnehmbar – ein archaisch wirkender Schlachtruf ohne jegliche Strahlkraft in die Gegenwart hinein. Der Linken Bewegung und ihren parlamentarischen Parteien wäre eine Art Proust-Effekt zu wünschen: Erinnern, was sie einst so auratisch und charismatisch hat werden lassen – ihre visionäre Kraft, ihre Fähigkeit ein alternatives Gesellschaftsmodell über die nationalen Grenzen hinaus zu erdenken und gestalten zu wollen, aber eben diese Ziele den Lebensbedingungen postmoderner Gesellschaften anzupassen. Also dann: Wanted: Scouts (m/w/d) zum Aufspüren von relevanten Gesellschaftsphänomenen mit großer Lust an der Entwicklung langfristiger (programmatischer) Zukunftsvisionen. Ausrufezeichen.

Juni 2021: Schlagende, statt niederschlagende Argumente – Wege in eine adäquatere Bildungspolitik – Die Bildungspolitik hat aktuell mindestens zwei gravierende Probleme, die wie in so vielen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens durch die Corona-Krise verstärkt zum Vorschein kommen: Während sich Gesellschaft im stetigen Wandel befindet, scheint sie selbst in ihren vermeintlichen Lösungsansätzen auf der Stelle zu treten. Und wer ständig auf ein und derselben Stelle herumtrifft, kommt erstens nicht vorwärts und läuft zweitens Gefahr, sich selber in ein so tiefes Loch hinein zu stampfen, sodass der notwenige politische Weitblick unmöglich wird. So gesehen, kann man auch aktuell zu der These gelangen, dass Bildungspolitik nicht wirklich existiert. Zurück bleibt allerdings keine gedankliche „Lehrstelle“ – im Gegenteil: Kinnert und Welzer nutzen sie als Chance und denken darüber nach, wie und woran sich eine zeitgemäße Bildungspolitik orientieren müsste.

Mai 2021: Antisemitismus, Aufklärung und Aufmerksamkeit – Die eigene Erfahrungswelt als Quelle der Erkenntnis (Teil 2) – Am Anfang der Entwicklung alternativer Strategien gegen Menschenfeindlichkeit und Antisemitismus könnte auch eine ganz simple Frage stehen: Was hat diese Thematik mit mir bzw. mit jedem und jeder einzelnen von uns zu tun, wo finden sich eigene Ausgrenzungserfahrungen? Wenn Antisemitismusprävention an dieser Stelle ansetzen würde, wäre sie um einiges weiter, das heißt wesentlich wirksamer. Warum? Das erläutern Kinnert und Welzer im zweiten Teil unserer Doppelfolge zum Thema Antisemitismus.

Mai 2021: Antisemitismus, Aufklärung und Aufmerksamkeit – Reformbedürftiger Ist-Zustand (Teil 1) – Im Zuge des jüngsten Nahost-Konflikts kommt es in Deutschland zu vermehrt antisemitischen Straftaten – Demonstrant:innen hetzen auf der Straße offen gegen Juden. Grund genug für Kinnert und Welzer in diesem ersten Teil unserer Doppelfolge politische und journalistische Reaktionen kritisch zu hinterfragen. Und sie stellen fest: Die Reaktionen auf die wiederkehrenden antisemitischen Eruptionen bleiben formelhaft und erwartbar, weshalb sie ohne Wirkung sind. Der Ruf nach Bildung hört sich gut an, verändert selbst aber noch nichts an menschenfeindlichen Orientierungen. Um der Komplexität der Dinge wirklich auf den Grund zu gehen, bedarf es vor allem an Zeit und an dem Willen oder der Fähigkeit eines authentischen (Nach-)Denkens. Kinnerts und Welzers Denkarbeit ist an dieser Stelle nicht beendet. Hören Sie gerne weiter im zweiten Teil.

Mai 2021: Achtung Sprache! Im Fadenkreuz medialer Öffentlichkeiten – Es kommt nicht von ungefähr, dass Menschen des öffentlichen Lebens sich immer mehr hinter Sprachmauern verschanzen: Die Spannbreite ist groß und reicht von lapidaren, beinahe inhaltslos gewordenen, fleischlosen Satzhüllen bis hin zu komplett verklausulierten Sprachgebirgen, deren Gipfel wahrscheinlich nur wenige Fachexpert:innen erklimmen. Wer verbal ausschert, bemüht sich hinterher meist um Eingrenzen des Schadens an seiner Person, bzw. seiner Funktion, oder entlarvt eigenes Kalkül – frei nach dem Motto: Bad publicity is better than no publicity. An aktuellen Fallbeispielen zeichnen Kinnert und Welzer nach, warum die Polyvalenzen gesprochener und verschriftlichter Sprache unbedingt erhalten bleiben müssen, und welche Gefahren für unsere demokratische Kultur hinter einer politisch motivierten Vereinheitlichung von Sprache und ihren Begriffen lauern.

Mai 2021: Kartografie mit (schöner) Aussicht! – Transformationsprozesse in gesellschaftlichen Bereichen hängen von vielen Faktoren ab. Für den Anfang braucht es allerdings erstmal so was wie eine gute Idee: Kinnert und Welzer vermessen ganz individuell neue Möglichkeitsformen einer Landschaft politischer Institutionen und Verantwortungsbereiche. Dabei sind sie sich nicht immer einig. Ihre alternativen Anordnungen ermöglichen uns einen kartografischen Blick, in dem sowohl adäquate gegenwarts-, als auch zukunftsfähige Organisationsmodelle sowie die direkte Anbindung zwischen politischen Handlungsfeldern und Verantwortlichkeit lesbarer werden – eine werbefreie Werbung für mehr Mut und lustorientierte Zukunftsgestaltung!